Moratorium für „Herrnhuter Bahn“ gefordert
Der Abbau der Gleise auf der stillgelegten Bahnstrecke Oberoderwitz-Niedercunnersdorf soll verhindert werden. Landtagsabgeordnete aus der Region wollen ein Moratorium durchsetzen. Das Planfeststellungsverfahren zum Gleisrückbau soll ausgesetzt werden. Das teilte der Verein „Pro Herrnhuter Bahn“ mit. Derzeit wird die Reaktivierung von Bahnlinien für den Personenverkehr geprüft. Dazu gehört in der Oberlausitz neben den Strecken Kamenz-Hosena und Ebersbach-Löbau auch die 16 Kilometer lange Verbindung von Oberoderwitz nach Niedercunnersdorf. Bis die Ergebnisse vorliegen, sollen die Vorbereitungen für die Demontage der „Herrnhuter Bahn“ nicht weiter vorangetrieben werden. Es ist die direkte Verbindung zwischen Löbau und Zittau. Im Mai 1998 fuhr dort der letzte Personenzug.
Der Landkreis Görlitz will die stillgelegte Strecke von der Deutschen Bahn kaufen. Er will die Trasse für einen Radweg nutzen. Die Kosten dafür werden auf neuneinhalb Millionen Euro geschätzt. Hinzu kämen jährliche Unterhaltskosten von fast 200.000 Euro.
Nach Ansicht des Vereins „Pro Herrnhuter Bahn“ bestehen die Voraussetzungen für eine Reaktivierung der Verbindung. Gleisanlagen, Brücken und Grundstücke seien noch vorhanden. Nun liege es in der Hand des Freistaates, diese auch international bedeutende Verkehrsachse beim Bund anzumelden, so Vereinsvorsitzender Björn Scholz.
Nach einer vom Landkreis nach dem Kauf in Auftrag gegebenen Studie würde die Wiederinbetriebnahme der „Herrnhuter Bahn“ knapp 28 Millionen Euro kosten. 70 Prozent der Gleise müssten erneuert, Brücken und Bahnübergänge saniert und die Überquerung der B 96 in Oderwitz neu errichtet werden. Hinzu kämen Betriebskosten von reichlich zwei Millionen Euro und 4,4 Millionen Euro für die Verkehrsleistungen, also für das Eisenbahnunternehmen.
Die „Herrnhuter Bahn“ wurde 1848 eröffnet. Sie ist die drittälteste Strecke in Sachsen. Vor der Einstellung des Personenverkehrs waren Reisende eine Dreiviertelstunde zwischen Löbau und Zittau unterwegs.