• Foto: Tele-Lausitz (Danilo Dittrich)

    Foto: Tele-Lausitz (Danilo Dittrich)

Mordfall Bautzen - Prozess fortgesetzt

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Vor dem Landgericht Görlitz wird zur Stunde der Mordprozess gegen einen 33-jährigen Bautzener fortgesetzt. Er soll im November vergangenen Jahres seine zwei Jahre jüngere Freundin mit mehreren Messerstichen getötet haben. Die Bewährungshelferin und Sozialarbeiterin des Bautzeners berichtete von seiner Alkohol- und Crystal-Sucht. Hilfsangebote habe er nicht angenommen. „Er war der Ansicht, dass er seine Sucht durch Arbeit besiegen kann“. Wenige Wochen vor der Tat hatte der Angeklagte versucht, sich umzubringen. Daraufhin kam er für drei Wochen in die Psychiatrie. Ende Oktober wurde er entlassen. Eine Woche später tötete der Bautzener seine Freundin.

Seitdem ist er in einer geschlossenen Anstalt untergebracht. Nach Einschätzung seines Arztes ist er planlos und passiv.  Auffällig seien seine Unruhe- und Panikzustände in den Nachmittagsstunden. An einem Nachmittag geschah auch der Mord. Vor der Tat hatte er reichlich Alkohol getrunken. Bei ihm wurden über zwei Promille festgestellt.

Ein Beamter der Mordkommission schilderte detailliert, was sich am Tattag abspielt hat. Die Freundin des Angeklagten war zunächst beim Arzt, dann einkaufen (Tönung für die Haare, eine Flasche Cherry) und hatte ein Rezept (Antidepressiva) eingelöst. Er verließ die Wohnung an der Karl-Marx-Straße in Bautzen, kaufte zunächst eine Flasche Rotwein, wollte anschließend zu seinem Hausarzt, kam aber nicht dran.  Am Mittag schrieb er ihr eine Whatsapp-Nachricht ("Geht es dir gut? Merkst du, was mit mir los ist?"). Am späten Nachmittag  des 7. November geschah die Tat. Der Bautzener  soll 15 Mal mit einem Küchenmesser auf seine Freundin, die sich in der Badewanne befand, eingestochen und sich anschließend die Pusladern aufgeschnitten haben. Der Polizei sagte er, als er wieder zu sich gekommen war: „Ich brauch‘ kein Hehl draus zu machen. Ich war‘s“.

Die Mutter hatte die Bluttat entdeckt. Sie schilderte dem Gericht, dass sie in ihrer Wohnung an der Karl-Marx-Straße zunächst den Freund ihrer Tochter fand – in einer Blutlache liegend im Flur. Er hatte sich die Pulsadern aufgeschnitten. „Stich mir in den Kopf. Mein Gehirn ist kaputt!“, flehte er sie an. Als sie ein Handtuch für einen Druckverband im Bad holen wollte, sah sie ihre Tochter blutüberströmt in der Badewanne liegen. Sie versuchte, ihr Kind wiederzubeleben – aber vergeblich. Ihre Tochter lebte mit ihrem Freund seit einem Jahr in der Wohnung. Die Mutter bezeichnete die Beziehung als harmonisch. Eine Woche vor der Tat habe er sich aber schlagartig verändert. „Er fühlte sich beobachtet, riss Lampen heraus und klebte die Kameras an Handys ab“.

Der Angeklagte lernte die Bautzenerin 2010 kennen. Beide nahmen Drogen, so der Kriminalist. Das Jugendamt nahm ihr 2012 die beiden Kinder weg. Daraufhin fasste sie den Entschluss, ihr Leben zu ändern. "Sie wollte ihre Kinder wiederhaben". Die Bautzenerin holte  den Hauptschulabschluss nach, und begann  eine Ausbildung als Speditionskauffrau.  Das Verhältnis zu ihrem Freund kühlte sich ab. "Die Beziehungen befanden sich in einer Abwärtsspirale. Für sie waren die Kinder wichtig. Er stand ihr störend ihm Weg", erklärte der Polizist.  Nach dem ersten Suizidversuch habe sich das Verhältnis etwas gebessert.  "Man merkte schon, dass sie schon an ihm hing, sie fühlte sich für ihn verantwortlich".

Der Angeklagte verfolgte die Zeugenaussage mit starrem Blick und leicht gesenktem Blick. Er wirkte apathisch. Er hatte zu Prozessbeginn über seine Anwältin die Tat eingeräumt und über sie erklären lassen, dass er sich an Einzelheiten nicht erinnern könne. Die Staatsanwaltschaft zweifelt an seiner Schuldfähigkeit und hat die Unterbringung in der Psychiatrie beantragt. Von ihm seien weitere erhebliche schwere Taten zu erwarten.