„Wie ferngesteuert“ - Mordprozess in Görlitz
Am Landgericht Görlitz hat heute der Prozess gegen einen 28-Jährigen aus Weißwasser begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Mord aus Heimtücke und Habgier vor, außerdem Raub mit Todesfolge. Der Angeklagte gestand die Tat, bestritt aber, seinen 69 Jahre alten Nachbarn absichtlich getötet zu haben. Der Prozess wirft zugleich ein Licht auf die Drogenszene in Weißwasser.
Das Opfer hatte keine Chance. Es wurde im Schlaf getötet – mit mindestens acht Messerstichen. Der mutmaßliche Mörder kannte sein Opfer. Beide wohnten fast Tür an Tür in einem Plattenbaublock an der Glückaufstraße in Weißwasser. Sie trafen sich häufig, tranken Kaffee.
Drogen und Antidepressiva „eingeworfen“
Am Tag vor der Tat hatte der Angeklagte Marihuana geraucht und „Citalopram“ genommen - ein Psychopharmakon, das gegen Depressionen verschrieben wird. Tags darauf ging er zu seinem Nachbarn zum Kaffee. „Ich war nervös und aufgewühlt“, schilderte er im Prozess. Zwischendurch habe er Gras geraucht und wieder Tabletten eingeworfen.
„Ich war wie ferngesteuert“
Er sei dann wie ferngesteuert gewesen, habe alles verschwommen gesehen. Als der Nachbar auf dem Sofa lag, um seinen Alkoholrausch auszuschlafen, will der Angeklagte wie im Rausch gehandelt haben. Er sah angeblich keine klaren Bilder. Den schlafenden Nachbarn hielt er für einen Bekannten, einen Drogendealer, auf den er Hass hatte. Er sei in die Küche gelaufen, habe ein Messer genommen und auf den Schlafenden eingestochen. Danach nahm er die EC-Karte des Opfers an sich, lief zum nächsten Geldautomaten und hob insgesamt 1.000 Euro ab. Das Küchenmesser warf er in einen Schneehaufen.
Nach der Bluttat mit Freunden Gras geraucht
Als er zurückkehrte, warteten schon Freunde aus der Drogenszene vor dem Haus. „Wir haben zusammen Gras geraucht“, sagte einer der Bekannten, ein 15-jähriger Schüler, der als Zeuge gehört wurde. Mit einem Teil des geraubten Geld wollte der Angeklagte angeblich Schulden begleichen. „Ich war abgebrannt“, sagte der ungelernte und arbeitslose 28-Jährige.
Anlaufpunkt für Drogenszene
Seine Wohnung war ein Anlaufpunkt für die Drogenszene der Stadt. Dealer und Konsumenten gingen bei ihm ein und aus. Auf die Frage des Staatsanwaltes, wie alt denn die Abnehmer gewesen seien, antwortete er: zwischen 14 und 17 Jahren. Es gab fast alles, von Haschisch bis LSD.
Geständnis am Schweren Berg
Nach der Bluttat wollte sich der Angeklagte angeblich nach Bayern absetzen. Für ein paar Tage, erzählte er dem Zeugen. Dann änderte er seinen Plan. Er rief einen Polizisten an. Mit ihm traf er sich an der Esso-Tankstelle. Sie fuhren zum Aussichtsturm am Schweren Berg. Dort gestand er die Tat.
Der Prozess wird fortgesetzt.