++ EIL ++

Mordprozess Melanchthonstraße - Glücksfall bei den Ermittlungen

Zuletzt aktualisiert:

Im Prozess um den Mord an der Melanchthonstraße in Görlitz hat heute ein führender Ermittler vor dem Landgericht ausgesagt. Er entkräftete die Notwehr-Behauptung des Angeklagten. Der Messerangriff sei überraschend geführt worden.  Einem 29-jährigen Görlitzer wird vorgeworfen, seinen Bekannten Tim S. im April vergangenen Jahres mit fünf Messerstichen getötet zu haben. Der 28-Jährige verblutete. 

Als Glücksfall bezeichnete der Kriminalist die Aufnahme einer Außenkamera einer Spielothek an der Lutherstraße. Damit konnte die Aussage des Angeklagten widerlegt werden, wonach er sich schon eher am Tatabend von Tim getrennt habe wollte. Dennoch hatten die Ermittler zunächst nur einen Anfangsverdacht. In den fünf Wochen bis zu seiner Festnahme Ende Mai  der Angeklagte cool und locker gewirkt, mit Sonnenbrille und Hund, so der Ermittler. Auf Facebook rief er die Görlitzer auf, bei der Suche nach dem Mörder mitzuhelfen. 

DNA-Spuren auf Getränkedose

Inzwischen leistete die Polizei akribische Puzzlearbeit. Über 20 Ermittler waren eingesetzt. Zeugen wurden vernommen, weitere Videoaufzeichnungen ausgewertet. Der Tatzeitraum konnte schließlich auf wenige Minuten genau eingegrenzt werden (zwischen 21.51 und 21.53 Uhr).  Auf einer Getränkedose neben dem Toten befanden sich DNA-Spuren des Angeklagten. Das reichte dann für den Haftbefehl. 

Freundin sollte nachschauen, ob Tim noch lebt

Seine damalige Freundin, zu der er unmittelbar nach der Tat an diesem kalten und regnerischen Abend gelaufen war,  wurde mehrmals vernommen. Schließlich habe sie ausgesagt, dass er mit blutigen Fingern in der Tür stand und gesagt habe – Zitat – „Ich glaube, ich habe ihn umgebracht.“ Dann soll er sie gefragt haben, ob sie nachschauen könne, ob Tim noch lebe.  Seine Behauptung, das Messer nach der angeblichen Notwehrhandlung fallengelassen zu haben, schloss der Ermittler aus. Es gebe keine Hinweise, dass ein Dritter das Messer aufgesammelt habe. Das Tatwerkzeug ist bis heute nicht aufgetaucht.

Keine Hinweise auf Notwehr 

Der 29-Jährige schilderte die Tat später als Notwehrreaktion. Sein Bekannter sei plötzlich mit einem Messer auf  ihn zugegangen und habe zweimal versucht, auf ihn einzustechen.  Daraufhin habe er ihm das Messer aus der Hand gedreht und auf ihn eingestochen.   

„Er hatte sich entschlossen,  einen unliebsamen Rivalen zu töten“, so Oberstaatsanwalt Sebastian Matthieu. Es sei um Weibergeschichten gegangen. Der Angeklagte habe sich in seiner Ehre verletzt gefühlt, sah in seinem Gegenüber einen Nebenbuhler. Beide hatten sich am Abend des 15. April im  in der Görlitzer Südstadt  getroffen und Alkohol getrunken. Im Laufe des Abends stellte sich  heraus, dass sein Bekannter offenbar Sex mit einer früheren Freundin des Angeklagten hatte. Er vermutete zudem eine heimliche Beziehung des 28-Jährigen zu seiner aktuellen Partnerin. Der Angeklagte habe sich massiv gekränkt gefühlt. Bei der Verabschiedung soll er eine freundschaftliche Umarmung vorgetäuscht und  fünfmal auf den 28-Jährigen eingestochen haben. Ein Messerstich traf ihn direkt  ins Herz.  

  Der Prozess wird zur Stunde fortgesetzt.