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Geständnis in Görlitz „Ich wollte mich an ihm rächen“

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Er hatte Zoff mit seinem Freund. Ihm brannten die Sicherungen durch. Er setzte die gemeinsame Wohnung in Uhsmannsdorf in Brand. Seit heute muss sich ein 28-Jähriger vor dem Landgericht Görlitz verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Polen neunfachen versuchten Mord vor.  Er habe den Tod der Hausbewohner in Kauf genommen. „Für sie bestand akute Lebensgefahr.“

Giftiger Rauch zog durch das Treppenhaus des Fünfgeschossers. Die Bewohner hatten Glück. Sie wurden durch eine Polizeistreife geweckt. Außerdem gab ein Rauchmelder Alarm.  Alle neun blieben unverletzt. Zwei von ihnen wurden über eine Drehleiter gerettet.

„Ich sollte für ihn meine Frau verlassen“

Der Angeklagte legte zu Verhandlungsbeginn ein umfassendes Geständnis ab. Mit seiner Freundin wollte der zweifache Vater in seiner Heimat eine Familie gründen. In Polen verlor er seine Arbeit. Zuhause war er herausgeflogen. Sein Freund, den er in einer Reifenwerkstatt in Bunzlau kennengelernt hatte, besorgte ihm einen Job in der Alu-Gießerei bei Borbet in Kodersdorf.  „Dafür wollte er mit mir zusammen sein.“, sagte der Angeklagte  nach längerer Pause mit stockender Stimme.  So zog er  im Mai vergangenen Jahres zu ihm in die Wohnung in Uhsmannsdorf, wollte aber nichts von ihm.  Es kam zu Spannungen. Sein Freund setzte ihn offenbar unter Druck. Er habe ihm gesagt, dass er seine Frau verlassen soll.  „Er wollte mit mir allein leben.“ Jeden seiner Schritte habe er kontrolliert. Diesen Stress hielt der Angeklagte nicht mehr aus.

Nach dem er Feuer gelegt hatte, radelte er zur Arbeit

Am frühen Morgen des 25. Oktober  nahm er eine Flasche mit Feuerzeugbenzin, verspritzte es über Kleidungsstücke seines Freundes, die auf der Couch lagen, und zündete alles an.  „Ich wollte mich rächen.“ Daraufhin verließ er die Wohnung, kehrte aber wenig später wieder zurück, klopfte einen Nachbarn raus, rief auf polnisch: es brennt. Als die Polizei eintraf, schwang er sich auf sein Fahrrad und fuhr zur Arbeit. Dort wurde er festgenommen.

Ob das Gericht dem Vorwurf des versuchten Mordes folgt oder darin einen Fall von schwerer Brandstiftung sieht, wird sich im Laufe der Beweisaufnahme herausstellen. Die Verhandlung wurde heute mit der Beweisaufnahme fortgesetzt. Eine Polizistin und Hausbewohner sagten aus. Der Freund des Angeklagten war dagegen nicht erschienen.

Der Prozess wird an diesem Mittwoch fortgesetzt.