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Niesky ist solidarisch mit Beschäftigten des Waggonbaus

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Mehr als 150 Waggonbauer sind am Nachmittag durch die Nieskyer Innenstadt gezogen. Sie forderten vom slowakischen Eigentümer des Werkes eine Perspektive für den Standort. Dem Protestmarsch schlossen sich Einzelhändler und Einwohner an. Wirtschaftsstaatssekretär Thomas Kralinski, der sich in den Zug eingereiht hatte, versprach den Waggonwerkern weiter Unterstützung.  Er appellierte zugleich an die soziale Verantwortung des Eigentümers. Er dürfe sich keinen schlanken Fuß machen.

65 Händler und Gewerbetreibende haben Plakate mit historischen Motiven des Waggonbaus in ihre Schaufenster gehängt. „Das ist beeindruckend und Ausdruck des Zusammenhalts in dieser Kleinstadt“, sagte uns Betriebsratsvorsitzender Peter Jurke. Was die Beschäftigten quält, ist die Ungewissheit. „Die ersten Projekte werden in ein bis zwei Monaten auslaufen. Wir wissen nicht, was danach passiert.“ Es seien keine Großaufträge in Aussicht. Mit kleineren Aufträge könne das Unternehmen nicht über Wasser gehalten werden. 

Der Betriebsrat hat keinerlei Kontakte zur Konzernspitze. Nach Jurkes Kenntnisstand ist die gesamte Gruppe bis Ende 2024 ausgelastet. „Trotzdem kann niemand sagen, welche Projekte nach Niesky kommen. Das stört uns.“ Von den über 300 Beschäftigten sind noch 230 im Betrieb.

Ein Teil der Belegschaft ist in Kurzarbeit. Im April läuft die Regelung aus. Wie es dann weitergeht, ist offen. Der Eigentümer des Werkes lässt sich nicht in die Karten schauen. Nach Drängen der Belegschaft, die seit November vergangenen Jahres jeden Dienstag Mahnwache vor dem Werktor hält, hat „Tatravagonka“ Anfang dieses Jahres ein Gespräch mit der Landesregierung in Aussicht gestellt. Einen Termin gibt es aber noch nicht.

Der Nieskyer Waggonbau ist der letzte Güterwagenhersteller in Deutschland.

Audio:

Nieskyer Händler und Gewerbetreibende
Reporter Knut-Michael Kunoth im Gespräch mit dem Betriebsratsvorsitzenden des Waggonbaus Niesky, Peter Jurke
Thomas Kralinski, Staatssekretär im Sächsischen Wirtschaftsministerium
Auch Oberbürgermeisterin Kathrin Uhlemann hatte sich in den Protestzug eingereiht. Mit ihr sprach Reporter Knut-Michael Kunoth