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Nordkommunen im Kreis Görlitz haben einen Plan...

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Die Kommunen im nördlichen Teil des Landkreises Görlitz haben eine gemeinsame Strategie im Strukturwandel formuliert. Die Bürgermeister skizzieren in einer gemeinsamen Erklärung ihre Pläne und Visionen bis 2038, also bis zum Kohleausstieg. Dazu gehören Bad Muskau, Boxberg, Gablenz und Krauschwitz, Kreba-Neudorf, Rietschen und Rothenburg sowie die Verwaltungsgemeinschaft Schleife-Groß Düben-Trebendorf und Weißkeißel und Weißwasser.

Die kreiseigene Niederschlesische Entwicklungsgesellschaft ENO wurde von den Bürgermeistern beauftragt, die Kommunen weiter zu unterstützen. Ein sogenanntes ENO-Taskforce-Team hat bislang mehr als 250 Projektideen begleitet. Fördervorhaben im Gesamtumfang von fast 150 Millionen Euro wurden beantragt.Mehr als ein Drittel seien bewilligt worden.

Landrat Stephan Meyer begrüßte das gemeinsame Vorgehen der Städte und Gemeinden. Sie müssten als besonders betroffene Kommunen auch ein besonderes Augenmerk erfahren.

Ziele und Visionen der Kommunen im Einzelnen:

Bad Muskau, Bürgermeister Thomas Krahl: „Die Stadt Bad Muskau arbeitet derzeit daran, mit Bundesmitteln Maßnahmen umzusetzen, die die Attraktivität für ihre Bewohner und Gäste weiter steigern sollen. Hinsichtlich der Beantragung und Umsetzung von Projekten im Rahmen der Förderung durch das InvKG kann ich jedoch wenig sagen, da die Stadtverwaltung bisher noch keinen Förderantrag gestellt hat. Aus meiner Sicht stellt das Förderverfahren eine große bürokratische Herausforderung dar, die für eine kleine Verwaltung kaum zu bewältigen ist. Dadurch entstehen erhebliche zeitliche und finanzielle Risiken. Eine Vereinfachung des Verfahrens und eine schnellere Umsetzung geplanter kommunaler Projekte sind daher – besonders für die vom Kohleausstieg betroffenen Kommunen – weiterhin dringend erforderlich.“

Boxberg, Bürgermeister Hendryk Balko: „Boxberg arbeitet an wichtigen Projekten zur Stärkung der Region. Besonders hervorzuheben sind das Gesundheitszentrum, der Findlingspark Nochten und die Entwicklung des Schulcampus.“

Gablenz, Bürgermeister Dietmar Noack: „Gablenz setzt seine Arbeit an den bereits beantragten Projekten fort, darunter das Kultur- und Tourismuszentrum Kromlau, das aus drei Teilprojekten besteht. Weitere Vorhaben umfassen den Bau eines Bolzplatzes sowie die Schaffung eines barrierefreien Zugangs und Fluchtwegs für den Gemeindesaal Gablenz im Rahmen weiterer Förderprogramme.“

Krauschwitz, Bürgermeister Tristan Mühl.: „Die Gemeinde Krauschwitz verfolgt eine klare strategische Ausrichtung, um durch gezielte Investitionen und Entwicklungen ihre Attraktivität als lebenswerter Standort zu steigern. Im Fokus stehen Maßnahmen, die nicht nur den aktuellen Bedürfnissen der Einwohner gerecht werden, sondern auch Rückkehrer und Neuansiedler im ländlichen Raum ansprechen. Durch die Schaffung von modernen Infrastrukturangeboten, einer Verbesserung der Lebensqualität und der Förderung von Innovationen möchte die Gemeinde ein zukunftsfähiges Umfeld schaffen, das sowohl für junge Familien als auch für Unternehmen attraktiv ist. Dies trägt nicht nur zur Stabilisierung und dem Wachstum der Region bei, sondern stärkt auch die soziale und wirtschaftliche Vernetzung innerhalb des ländlichen Raums. Krauschwitz setzt damit auf nachhaltige Entwicklung und möchte als lebendiger, zukunftsorientierter Ort sowohl für bestehende als auch für neue Einwohner und Unternehmen zur ersten Wahl werden.“

Kreba-Neudorf, Bürgermeister Dirk Naumburger: „Wir verfolgen eine klare Vision für die Zukunft unserer Gemeinde: Wir möchten Projekte fördern, die die Lebensqualität für alle Generationen steigern, die Gesundheitsversorgung und das kulturelle Angebot erweitern und gleichzeitig unseren Ort für sanften Tourismus attraktiver machen. Dabei legen wir Wert auf die Verbindung von Tradition und Innovation, um die Einzigartigkeit unserer Gemeinde zu bewahren und gleichzeitig auf die Bedürfnisse unserer Bürgerinnen und Bürger einzugehen.“ Bürgermeister Dirk Naumburger

Rietschen, Bürgermeister Ralf Brehmer: „Unser Fokus liegt auf nachhaltiger Wertschöpfung und der Schaffung regionaler Arbeitsplätze – allerdings nicht um jeden Preis. Es geht darum, Projekte zu fördern, die langfristig Wert schaffen und möglichst geringe Folgekosten für unsere Gemeinde verursachen. Arbeitsplätze sind dabei ein wichtiger Aspekt, doch angesichts der Fachkräftesituation müssen wir klug planen und in zukunftssichere Strukturen investieren, die unserer Region echten Mehrwert bringen. Die Abstimmung und Zusammenarbeit mit den umliegenden Orten und mit dem Landkreis halte ich dabei für besonders notwendig.“

Rothenburg, Bürgermeister Philipp Eichler: „Den Strukturwandel in der Lausitz schaffen wir nur mit einer sehr guten ausgebauten Infrastruktur. Wird man diese verbessern, so ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich Synergien daraus entwickeln. Relevant hierbei ist, dass bei uns in Zukunft andere Kriterien angesetzt werden als in den Kernzentren. Wie soll sich denn ein Bedarf entwickeln, wenn kein Anreiz für die ländlichere Region geschaffen wird?“

Verwaltungsgemeinschaft (VG) Schleife, Groß Düben, Trebendorf - die Bürgermeister der VG - Jörg Funda, Sebastian Bertko, Robert Sprejz: „Im Rahmen des Strukturwandels wollen wir in der VG Schleife Projekte entwickeln, die unsere Einrichtungen als Zentrum für umweltverträglichen Tourismus erschließen und gleichzeitig unsere sorbische Kultur und Sprache in den Fokus rücken. Gemeinsam mit dem Sorbischen Kulturzentrum und weiteren regionalen Einrichtungen planen wir, attraktive Angebote zu schaffen – von einer neuen Landmarke über moderne Bade- und Freizeitmöglichkeiten bis hin zu zeitgemäßen Übernachtungs- und Veranstaltungsangeboten. Ganzjährige Attraktionen, Arbeits- und Ausbildungsplätze im Tourismus und der Blick auf das kulturelle Erbe sollen die Region stärken. Durch diese Projekte wollen wir eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung fördern, die sowohl den Einwohnern als auch den Gästen der VG Schleife zugutekommt.“

Weißkeißel, Bürgermeister Andreas Lysk: „Im Gemeinderat Weißkeißel waren wir uns recht schnell einig, dass die Gemeinde Weißkeißel kein eigenes Projekt im Rahmen des Strukturwandels auf den Weg bringen wird. Es ist unser erklärtes Ziel, die vorhandenen Industriestandorte Weißwasser, Boxberg und Krauschwitz in ihren Projekten zu unterstützen. Kleinteiligkeit führt hier nicht zum Erfolg. Vielmehr soll alle Kraft gebündelt in eine zukunftsfähige Transformation dieser Standorte im Rahmen des Strukturwandels aufgewendet werden.“

Weißwasser, Oberbürgermeisterin Katja Dietrich: „Weißwasser hat mit Projekten wie der Sanierung der Kita Sonnenschein, der Aufwertung der Bibliothek im Bahnhof, einer Ausbildungsstätte der Zukunft und der Ansiedlung der BAFA einen klaren Fokus auf Bildung und Arbeit gelegt. Dies trifft auch auf Projekte der Stadtakteure der Volkshochschule, des Soziokulturellen Zentrums und der Station Junger Naturforscher und Techniker zu. Darauf werden wir aufsetzen und die nächsten Jahre die Voraussetzungen für weitere attraktive Arbeitsmöglichkeiten der Zukunft legen mit Maßnahmen wie der Erweiterung der Gewerbe- und Industrieflächen, Aktivierung des Ladenleerstandes und Eingliederung in unsere Tourismusregion mit eigenen Highlights. Dabei ist die Digitalisierung unsere Infrastruktur der Zukunft. Durch sie kann das Leben und Arbeiten im ländlichen Raum in den Bereichen Bildung, Gesundheit, autonomes Fahren, moderne Verwaltung sowie Arbeits- und Produktionstechniken völlig neugestaltet werden.“

Landrat Stephan Meyer: „Ich begrüße das gemeinsame Vorgehen der Nordkommunen im Landkreis Görlitz im Zuge des Strukturwandels. Gerade die besonders betroffenen Kommunen müssen auch ein besonderes Augenmerk erfahren, um diese Transformation erfolgreich zu bewältigen. Dabei sollte aus meiner Sicht der Fokus darauf liegen Wertschöpfung und Arbeitsplätze in der Region zu stärken. Das kann beispielsweise durch interkommunale Gewerbe- und Industriegebiete für Erweiterungen und Ansiedlungen mit Anbindung an die Landesprojekte InnoCarbEnergy, im Bereich Kohlenstoffforschung, und CircEcon, im Bereich der Kreislaufwirtschaft, liegen. Darüber hinaus gilt es die Attraktivität der Region für Einheimische, Neuansiedler und Gäste durch Investitionen in die touristische Infrastruktur zu erhöhen. Eine wichtige Rolle wird das Net Zero Valley (NZV) Lausitz spielen, wodurch Planungs- und Genehmigungsverfahren beschleunigt und umweltfreundliche Technologien vorangebracht werden sollen.“