Oderwitzer Arzt hält nichts vom Krankschreiben am Telefon
Patienten mit leichten Atemwegsbeschwerden können weiter per Telefon Rezept und Krankenschein bekommen. Die Sonderregelung wurde bis Anfang Mai verlängert – und zwar nach Protesten von Medizinerverbänden. Auch der Sächsische Hausärzteverband lief Sturm – mit Verweis auf die Ansteckungsgefahr bei vollen Wartezimmern. Aber nicht alle Ärzte sehen das so.
Gottfried Hanzl hält nicht viel von der Visite am Telefon. Die Patienten sollen in seine Praxis kommen – auch in Corona-Zeiten. Der Doktor aus Oderwitz ist damit anderer Meinung als der Sächsische Hausärzteverband, dessen langjähriger stellvertretender Vorsitzender er war und noch Beisitzer ist. „Die Gefahr ist groß, dass Patienten davon großzügig Gebrauch machen“.Das heißt simuliert und mit dem am Telefon erteilten Krankenschein blau macht. Nicht mit dem Doktor aus Oderwitz. Mit seinen 70 Jahren hat er schon einiges erlebt. „Nach einem Jahr muss ich Stellung nehmen, warum ich den Patienten krank geschrieben habe und ich dann vielleicht von seinem Arbeitgeber in Regress genommen werde“.
Aber ist ihm nicht bange vor einem erhöhten Ansteckungsrisiko, wenn das Wartezimmer voll ist? „Nein, wir haben in unserer Region keine schwerviegeden Covid-19-Erkrankungen. Und wir beachten die Hygieneregeln. Überall haben wir Mundschutz“.
Hanzl behandelt viel ältere Menschen, macht in diesen Tagen auch Hausbesuche. Er will mit den Patienten weiter gut im Gespräch bleiben. Aber nicht über Telefon. Sie sollen in seine Praxis kommen oder er zu ihnen. Und so will es der Doktor auch in den kommenden fünf Jahren halten. Dann ist er 75 und geht in Pension.