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Ostritzer kaufen Biervorräte und lassen Rechte alt aussehen

Ostritz kann wieder zur Ruhe kommen. Die Polizei beendet heute Nachmittag ihren Großeinsatz. Alle Veranstaltungen seien friedlich verlaufen. „Unser Konzept ist aufgegangen“, sagte Einsatzleiter Holger Löwe. Rund 2.000 Friedensfestbesucher zeigten, dass Nazis in der Neißestadt nicht willkommen sind. Rund 700 Rechtsradikale aus Deutschland, Polen und Tschechien waren zu einem Konzert mit Bands aus dem rechten Spektrum angereist. Die Polizei nahm 32 Straftaten und fünf Ordnungswidrigkeiten - vor allem Verstöße gegen das Versammlungsgesetz auf. Verbotene Gegenstände, wie z.B. Teleskop-Schlagstöcke und Cutter-Messer, wurden sichergestellt. Die am Freitag beschlagnahmten 4.200 Liter Bier erhielt der Veranstalter wieder zurück.

Mit einem Protestmarsch hatten am Samstagnachmittag rund 250 zumeist junge Leute gegen das Treffen von Rechtsextremen in Ostritz demonstriert. Dazu angereist waren auch Anhänger der linken Szene aus Leipzig und Dresden. Am Abend traten auf einem Hotelgelände an der Neiße mehrere Bands aus dem rechten Spektrum auf – und zwar vor rund 700 Teilnehmern des sogenannten Schild- und Schwertfestivals, so die   Polizei. Noch während die Bands spielten, seien zahlreiche Teilnehmer abgereist. Nach Einschätzung der Polizei verringerte sich die Zahl auf rund 500.

„Einsatzkonzept ist aufgegangen“

Die Nacht in Ostritz sei friedlich und ruhig verlaufen, so die Polizei. Auf dem Gelände des Rechten-Treffens galt ein striktes Alkoholverbot. Die Polizei stellte insgesamt 4.400 Liter Bier sicher. Ostritzer halfen mit, das Verbot durchzusetzen. Sie kauften über 100 Kästen Bier im einzigen Supermarkt der Stadt. Mitglieder des Internationalen Begegnungszentrums verluden die Kisten auf einen Anhänger und transportierten es damit weg. Damit blieb für die Rechten kaum noch etwas übrig. Teilnehmer der Bürgeraktion wurden vor dem Markt von angereisten Nazis bedroht. 

Bis Samstagnachmittag wurden rund 20 Ermittlungsverfahren eingeleitet. „Es handelt sich meist um Verstöße gegen das Versammlungsgesetz. Verbotene Gegenstände wie Teleskop-Schlagstöcke und Cutter-Messer wurden sichergestellt“, sagte uns Einsatzleiter Holger Löwe.

Heute geht das Friedensfest auf Markt und Sportplatz zu Ende. Einwohner und Gäste setzten damit erneut ein Zeichen für Weltoffenheit und Toleranz

 „Zivilgesellschaft steht auf“

Am Freigagabend entrollte  Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer gemeinsam mit dem ehemaligen Fußball-Nationalspieler auf dem Ostritzer Fußballplatz ein Transparent mit der Aufschrift „Bei uns steht niemand im Abseits - Ostritz bleibt am Ball für Weltoffenheit und Toleranz“. „Ich bin sehr beeindruckt, wie an einem so kleinen Ort an der Neiße jedes Mal aufs Neue die Zivilgesellschaft, die Bürgerschaft aufsteht um klarzumachen, diese Rechtsextremisten sind hier nicht gewollt“, sagte Kretschmer. Sachsen werde alles unternehmen, um Rechtsextremismus zu bekämpfen. Gerichtsurteile und rechtliche Beschränkungen seien „die Maßnahmen, die wir ergreifen werden“.

Kontrollbereich noch bis Sonntagabend

Die Polizei war mit einem Großaufgebot von mehr als 1.400 Beamten sowie schwerem Gerät wie Wasserwerfern und gepanzerten Fahrzeugen vor Ort. Ein Hubschrauber kreiste über der Stadt. Polizeireiter patrouillierten durch die Straßen und Polizisten in Booten auf der Neiße.  Mehrere Hundertschaften wurden nach Ostritz verlegt, darunter auch aus Thüringen, Sachsen-Anhalt und Berlin. Noch bis Sonntagabend gilt ein Kontrollbereich im Stadtkern. Dort kann die Polizei von Passanten die Identität feststellen - ohne konkreten Verdacht und Anlass.

Die Polizei sagt: Danke!

Die Polizei hat sich bei den Ostritzern bedankt. „Die zurückliegenden Tage forderten auch ihnen einiges an Geduld ab. Verkehrseinschränkungen, Lärm und eine ständige Präsenz ihrer Stadt in der medialen Berichterstattung führten auch zu dem ein oder anderem “Dampf ablassenden„ Gespräch am Bürgertelefon der Polizei“, heißt es in einer heute Mittag verbreiteten Pressemitteilung.

Audio:

Michael Schlitt
Polizei vor dem Festivalgelände der Rechtsextremen. Foto: Tele-Lausitz (Danilo Dittrich)
Der ehemalige Fußball-Nationalspieler Cacau
Landratsamtsdezernentin Heike Zettwitz und Bürgermeisterin Marion Prange zum Alkoholverbot auf dem Festivalgelände
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer
Auch Georg Saldit packte den Einkaufskorb mit Bierkästen voll
Reporter Knut-Michael Kunoth im Gespräch mit Einsatzleiter Holger Löwe