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Positionspapier für attraktiven Bildungsstandort Oberlausitz

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Eltern und Lehrer sehen die Bildungschancen für Kinder und Jugendliche in der Oberlausitz in Gefahr.  Angesichts des Lehrermangels wurde in dieser Woche in Löbau  ein Positionspapier verabschiedet. Kreiselternrat, Lehrerverband und CDU-Kreisverband Görlitz haben Forderungen und Vorschläge formuliert.  Schüler sollen nicht nur im Klassenzimmer büffeln. Vorgeschlagen werden ein heimatkundlicher und ein naturwissenschaftlicher Tag, ein Sport- und ein Kulturtag. Eine weitere Forderung sind Projekte für Schulverweigerer und Schulabbrecher. Die Klassenleiterstunde sollte wieder eingeführt, die  Lehreramtsbildung  im Förderschul- und Oberschulbereich in der Oberlausitz ausgebaut werden.

Und auch das Studiengänge für das Lehramt Förderschule oder die sogenannten Mint-Fächer. Dieser Vorschlag könnte in Kooperation der Hochschule Zittau/Görlitz mit einer Universität auf den Weg umgesetzt werden, sind die Verfasser überzeugt.  

Im Wortlaut das gemeinsame Positionspapier:

Wir fordern: Dem Lehrermangel in der Oberlausitz umgehend entgegenwirken – Schulen entlasten, Attraktivität erhöhen!
Der Mangel an ausgebildeten Lehrkräften ist eines der drängendsten Probleme für die Menschen in Ostsachsen. Weil die Zahl fehlender Nachwuchskräfte und die Quote von Seiteneinsteigern im Regionalschulbereich Bautzen besonders stark ausgeprägt sind, fordern wir die Sächsische Staatsregierung zu weiterer Unterstützung unserer Region auf!

Sachsen hat eine hohe Qualität der schulischen Bildung, die wir bewahren möchten. Eine Kürzung der Stundentafel und Lehrinhalte in Sachsen sowie der planmäßige Stundenausfall verbunden mit einer Absenkung des Lernniveaus sind für uns nicht akzeptabel. Wir wollen Bildungsgerechtigkeit voranbringen und sind der Überzeugung, dass der ländliche Raum in der Bildungsqualität nicht benachteiligt werden darf. Das ist nur mit genügend ausgebildetem Personal möglich. Deshalb brauchen wir Maßnahmen zur Steigerung der Attraktivität des Lehrerberufs sowie zur gezielten Anwerbung von Absolventen und fordern:

1. Lehramtsstudium und praktische Ausbildung weiter regionalisieren:
Die Anzahl an Studienplätzen wurde erhöht. Doch sie muss ergänzt werden durch die Möglichkeit zum Studium an einer Hochschule, wie zum Beispiel durch eine Kooperation zwischen einer Universität (Leipzig oder Dresden) mit der Hochschule Zittau-Görlitz. Gleichzeitig braucht es auch Ausbildungsstellen für das Lehramtsreferendariat (bzw. den Vorbereitungsdienst) in Förderschul- und Oberschul-Fächern im ländlichen Raum. Der besondere Bedarf für die MINT-Fächer und Sorbisch muss hierbei hervorgehoben werden. Studentische Praktika in ländlichen Bedarfsregionen sollen weiter unterstützt werden.
2. Klassenleiterstunden wieder einführen!
Die Verantwortung für eine Schulklasse und die damit einhergehende Tätigkeit als Klassenleiter ist elementar und muss als Teil des Arbeitsvolumens angerechnet werden, so wie es im Koalitionsvertrag der Sächsischen Staatsregierung verankert wurde.
3. Bildung an außerschulischen Lernorten unterstützen
Die Schulen brauchen zur Erfüllung ihres Bildungsauftrags die Unterstützung öffentlicher Einrichtungen. Deswegen sollten Formate wie ein naturwissenschaftlicher Tag, Kulturtag, heimatkundlicher Tag oder ein Sporttag an außerschulischen Lernorten gefördert werden. Auch Tage zur Vermittlung sozialer und medialer Kompetenzen, nachhaltigem und kulturellen Lernen, Demokratieerziehung und Vertiefung von Berufsorientierung sollen angeboten werden. Außerschulische Lernorte müssen niederschwellig und kostengünstig nutzbar sein.
4. Prävention im Team und weitere Präventionsangebote ausbauen
Polizei, Träger der Wohlfahrtspflege und Vereine können eine wichtige Ergänzung bei der Vermittlung lebensnaher Themen sein, wenn sie unbürokratisch Hilfe anbieten können. Gerade PiT Ostsachsen leistet wichtige Unterstützungsarbeit und sollte deshalb allen Schulen leicht zugänglich gemacht werden, auch ohne den Abschluss einer Kooperationsvereinbarung.
Die Polizei sollte auch in Akut-Situationen und bei Notfallintervention als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Der Umfang von Präventionsangeboten soll erhöht werden.
5. Unterstützersysteme professionalisieren
Zunehmend werden Lehrerkollegien durch multiprofessionelle Teams unterstützt. Die Zahl aller Assistenzstellen muss erhöht, ihre Aufgabenbereiche klar definiert und ihr Einsatz an den Schulen gut vorbereitet werden. Noch umfassender zu berücksichtigen sind deshalb:
- die Finanzierung von Schulsozialarbeitern in allen Schulen und Schularten,
- die Übertragung reiner Verwaltungstätigkeiten an Schulverwaltungassistenten, deren außerschulische Erfahrungszeiten ebenso berücksichtigt werden muss,
- die Schaffung von mehr Plätzen für das Freiwillige Soziale Jahr FSJ oder Freiwillige Pädagogische Jahr FPJ an den Schulen der Region, um frühzeitig junge Menschen für eine Tätigkeit im Bildungssektor zu begeistern,
- die Unterstützung der Berufsorientierung, die proaktiv in den Schulen stattfinden muss, durch Praxisberater und Berufseinstiegsbegleiter
6. Verbesserung der digitalen Infrastruktur in der Fläche
Wir wollen keine digitale Beschulung ohne Anwesenheit von ausgebildeten Pädagogen! Der Mehrbedarf an Technik erfordert die notwendigen finanziellen und personellen Ressourcen zur Beschaffung und Wartung der Technik. Deshalb müssen Schulen durch Schulträger beziehungsweise das Land mit ausreichend personell unterstützt werden.
7. Sonderpädagogische Projekte für Schulverweigerer und Schulabbrecher
Wir brauchen das Produktive Lernen auch in Ostsachsen sowie Schulverweigererprojekte und gezielte Maßnahmen für Schulabbrecher.
Eltern, Kinder und Jugendliche, Lehrkräfte und die Politik in unserer Region haben ein gemeinsames Ziel: qualitativ gute Bildung und Bildungsgerechtigkeit in jeder Region, an jedem Ort und in jeder Schulart, die wir hiermit voranbringen wollen. Gute Schulen sind unabdingbar für eine erfolgreiche Entwicklung unserer Region. Durch besondere gemeinsame Anstrengungen soll der anstehende Generationenwechsel in den Lehrerzimmern gelingen.