Ralbitz: Probebohrungen für „Einstein-Teleskop“ beginnen
Die Pläne für das Deutsche Zentrum für Astrophysik werden konkret. In Ralbitz-Rosenthal haben am Donnerstag letzte Vorbereitungen zu den Probebohrungen für das sogenannte Einstein-Teleskop begonnen. Konkret geht es um die Untersuchung eines riesigen Granitblocks, der 70 Meter unter der Erde beginnt und mehrere Kilometer dick ist. Das Teleskop könnte in 200 Meter Tiefe in der Form eines gleichschenkligen Dreiecks mit einer Seitenlänge von zehn Kilometern entstehen. Erdbebenmessgeräte sollen dann in der Tiefe einen Monat lang alle Bewegungen der Erde erkennen. Für das Vorhaben brauche man eine seismisch extrem ruhige Gegend, begründete Günther Hasinger, Wissenschaftschef bei der Europäischen Weltraumorganisation (ESA), die Wahl des Standortes. Ab kommenden Montag soll sich der Bohrer auf einem Feld in Cunnewitz, einem Ortsteil der Gemeinde Ralbitz-Rosenthal, in die Erde fräsen.
Das Einstein-Teleskop gehört als eine von drei Säulen zum Projekt Deutsches Zentrum für Astrophysik in der Lausitz, für das sich mehrere Forschungszentren im Zuge des Strukturwandels in früheren Braunkohlegebieten bewerben. Dabei sollen in Sachsen zwei Großforschungszentren (GFZ) entstehen. Die Entscheidung fällt im Sommer. Allerdings ist das unterirdische Teleskop als europäisches Projekt nicht zwingend mit GFZ verknüpft. Auch eine Region im Norden Sardiniens und im Süden der Niederlande bewerben sich als Standort. Die Lausitz kam als drittes Gebiet dazu. Für das geplante DZA wäre das es so etwas wie das Sahnehäubchen, sagte Hasinger.
Christian Stegmann, Direktor des Bereichs Astroteilchenphysik beim Deutschen Elektronen-Synchrotron (Desy), sieht im Deutschen Zentrum für Astrophysik eine große Chance für die strukturschwache Region der Lausitz. Er rechnet im Fall eines Zuschlags mit einem Jahresetat von 170 Millionen Euro, mindestens 1000 direkten Arbeitsplätzen sowie einem Faktor drei bis vier an weiteren Jobs. Bei einem Zuschlag stünden bis 2038 bis zu 1,2 Milliarden Euro bereit, sagte er. Eine solche Investition würde die Region auch international ins Blickfeld rücken.
Das Projekt des Deutschen Zentrums für Astrophysik gehört zu den sechs Großforschungszentren-Anwärtern für die beiden sächsischen Braunkohlereviere. Bei der ESA wird inzwischen augenzwinkernd von dem „Ding“ gesprochen. (mit dpa)
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