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Proteste gegen Lehrermangel - Rasche Einigung gefordert

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Rund 300 Schüler haben am Donnerstag vor dem Landtag in Dresden gegen den Lehrer­mangel in Sachsen demons­triert. „Wir wollen nicht länger unter dem Sparkurs der Regie­rung leiden“, sagte der Chef des Landes­schü­ler­rates, Fried­rich Roder­feld, und forderte ein Sofort­pro­gramm gegen den „akuten Lehrer­mangel“ sowie Inves­ti­tionen in eine digitale Ausstat­tung der Schulen. „Gute Bildung ist nicht verhan­delbar.“ Laut Schülerrat haben sich an dem Aktionstag unter dem Motto „Bildet die Rettung - Rettet die Bildung“ an landes­weit mehr als 75 Schulen über 20 000 Schüler betei­ligt. Auch Eltern und Lehrer unter­stützen die Aktion.„Ich kann die meisten Forde­rungen nachvoll­ziehen“, erklärte Sachsens Kultus­mi­nis­terin Brunhild Kurth (CDU). Konsens gebe es etwa darüber, die Lehrpläne zu entschla­cken und so den Unter­richts­stress zu senken. Die Situa­tion auf dem Lehrer-Arbeits­markt sei schwierig, so Kurth. Die Minis­terin hatte in der Vergan­gen­heit immer wieder von einem „leer gefegten“ Markt gespro­chen.Lehrer­mangel ist seit Jahren ein Thema in Sachsen. Viele junge Lehrer verlassen nach dem Studium den Freistaat, weil in anderen Bundes­län­dern bessere Bezah­lung oder gar Verbe­am­tung locken.„Es ist in unserem Inter­esse, dass die jungen, ausge­bil­deten Lehrer um Sachsen keinen Bogen machen“, so Kurth. Sie hofft daher auf eine baldige Einigung bei den laufenden Spitzen­ge­sprä­chen zum Lehrer­mangel. „Ich sehe jetzt das Ende in naher Zukunft“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. An diesem Freitag sollen die Gespräche zwischen Kultus­mi­nis­terin, Finanz­mi­nister Georg Unland (CDU) und den Lehrer­ge­werk­schaften fortge­setzt werden - in der mittler­weile elften Runde. „Alle Betei­ligten wollen zu einem Ergebnis kommen.“ Bei den Gesprä­chen geht es vor allem um attrak­ti­vere Bedin­gungen für den Lehrer­beruf, damit mehr ausge­bil­dete Pädagogen in Sachsen arbeiten.Es gehe um bessere Eingrup­pie­rung der Lehrer, finan­zi­elle Anreize für zusätz­liche Aufgaben sowie generell bessere Arbeits­be­din­gungen. Die immer wieder - unter anderem vom Sächsi­schem Lehrer­ver­band - gefor­derte Verbe­am­tung stehe aber nicht im Mittel­punkt der Spitzen­ge­spräche.Linke, Grüne und SPD haben eine rasche Einigung in den Gesprä­chen gefor­dert. Es sei mehr als überfällig, dass sich die Staats­re­gie­rung endlich bewege - und zwar deutlich, so Grünen-Politi­kerin Petra Zais.„Als Regie­rungs­partner sind wir momentan genauso unzufrieden mit der Situa­tion an unseren Schulen wie die Eltern, Lehrkräfte und Schüler“, sagte SPD-General­se­kre­tärin Daniela Kolbe. Es gebe zu wenige Lehrer in Ausbil­dung und an den Schulen. Die Bildungs­ex­pertin der Linke-Fraktion, Cornelia Falken, forderte eine langfris­tige Bedarfs­pla­nung, eine bessere Bezah­lung und mehr Lehramts-Studi­en­plätze.Die Minis­terin erklärte, dass Sachsen zum 1. Oktober ein zusätz­li­ches Einstel­lungs­pro­gramm für Lehramts­stu­denten mit dem 1. Staats­ex­amen starte. Damit sollen Warte­fristen nach Ende des Studiums bis zum Beginn des Referen­da­riats im Februar 2017 vermieden werden. Die Absol­venten werden damit wie ein voll ausge­bil­deter Lehrer eingrup­piert und können das Referen­da­riat berufs­be­glei­tend absol­vieren. Eine „Super-Möglich­keit“, so Kurth.Mehrere hundert Stellen sollen auf diese Weise vergeben werden. Für das neue Schul­jahr hätten nun die 1200 geplanten Lehrer­stellen besetzt werden können. Anfang August waren noch knapp 50 Stellen unbesetzt. (DPA)