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  • Der Angeklagte mit seiner Verteidigerin Kristin Pietrzyk kurz vor Verhandlungsbeginn. Foto: kmk

    Der Angeklagte mit seiner Verteidigerin Kristin Pietrzyk kurz vor Verhandlungsbeginn. Foto: kmk

  • Richterin Jana Ritschel: "Schluss jetzt. Alles raus!". Foto: kmk

    Richterin Jana Ritschel: "Schluss jetzt. Alles raus!". Foto: kmk

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Geheimprozess gegen "King Abode"

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"Schluss jetzt. Alles raus!" Mit diesen Worten hat am Morgen die Bautzener Amtsrichterin Jana Ritschel die Presse aus dem Saal geworfen. Kurz darauf begann die Verhandlung gegen den libyschen Intensivtäter  mit dem selbst gewählten Namen "King Abode" - unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Begründung: Eine der offenbar über 30 Taten hatte er als Jugendlicher begangen, eine Körperverletzung im Jahr 2015. Er sei ein Jahr jünger als bisher angenommen, damit gelte in diesem einen Fall das Jugendstrafrecht und somit der Ausschluss der Öffentlichkeit, so Amtsgerichtsdirektor Markus Kadenbach. Somit ist der Asylbewerber, der 2015 nach Deutschland kam, nicht 23, sondern erst 22 Jahre alt. 

Gegen "King Abode" liegen inzwischen zehn Angklagen vor – u.a. wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung, Beleidigung, Hausfriedensbruchs.  Seit  2015  hält er Polizei und Justiz in der Oberlausitz auf Trab. So fiel er bei den Tumulten im September 2016 auf dem Bautzener Kornmarkt auf. Gegen ihn wurden mehrfach Geldstrafen verhängt - auch eine achtmonatige Freiheitsstrafe, die aber zur Bewährung ausgesetzt wurde. Die Stadt Bautzen erklärte den "King" schon zweimal zur „Persona non grata“ erklärt - zur unerwünschten Person.

Der Libyer befindet sich auf freiem Fuß. Er lebt im Asylbewerberheim in Kamenz und soll eine Arbeit als Koch in einem Restaurant angenommen haben. Zur Verhandlung kam er in Winterjacke, die Kapuze tief ins Gesicht gezogen. Auf meine Frage, wie alt er denn tatsächlich sei und was er denkt, wie die Verhandlung ausgehen wird, antwortete er nicht. Vor dem Verhandlungssaal 128 im Amtsgericht Bautzen warteten  Journalisten und Besucher darauf, eingelassen zu werden.  Vergeblich.

Die angeklagten 24 Straftaten (Zeitraum Februar 2015 bis 24. August 2018) in einer Übersicht:

- acht Fälle Hausfriedensbruch,

- fünf Fälle vorsätzliche Körperverletzung,

- vier Fälle gefährliche Körperverletzung,

- versuchte gefährliche Körperverletzung in Tateinheit mit gemeinschädlicher Sachbe-

schädigung,

- drei Fälle von Beleidigung,

- Sachbeschädigung in drei tatmehrheitlichen Fällen.

Insgesamt 32 Zeugen sollen gehört werden.

Audio:

Reporter Knut-Michael Kunoth interviewt den Bautzener Amtsgerichtsdirektor Markus Kadenbach

Reaktionen von Besuchern, die an der Verhandlung teilnehmen wollten

Reporter Knut-Michael Kunoth fasst den Prozessauftakt zusammen