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Drei Angeklagte und eine „Psychofrau“ - Menschenraub-Prozess in Görlitz

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Sie sollen einen 31-jährigen Mann in Löbau entführt, ihn geschlagen, ausgeraubt und anschließend splitternackt in einer winterkalten Nacht im Wald zurückgelassen haben.  Zwei Männer und eine Frau müssen sich seit heute vor dem Landgericht Görlitz verantworten. Ihnen wird erpresserischer Menschenraub vorgeworfen. 

Es ging um Schulden, die das Opfer bei der Angeklagten hatte, um insgesamt 1.000 Euro für einen Umzug und eine Fahrt nach Berlin.  Die 41-Jährige traf ihren früheren Bekannten, mit dem sie auch kurze Zeit zusammengelebt hatte,  an einem Abend im Januar dieses Jahres in Löbau. Mit dabei waren der 19-jährige Freund ihrer Tochter und ein 27-jähriger Pole sowie eine weitere Frau, die bislang nicht ermittelt werden konnte. Die Lage eskalierte. Laut Anklage wurde das Opfer geschubst, geschlagen, in den Schnee gedrückt, in das Auto der Angeklagten gezerrt und anschließend in einen Wald am Berufsschulzentrum Löbau entführt. Dort musste sich der Altenpflegehelfer nackt ausziehen, auf Geheiß des Polen, so die Anklage. „Er hat dann dem Opfer mindestens zehnmal mit dem Gürtel auf den Rücken geschlagen. Dabei verlor er seine Uhr“, so der Staatsanwalt. Daraufhin habe er ihn aufgefordert, kriechend nach der Uhr zu suchen. „Er drohte ihm die Zunge und die Genitalien abzuschneiden.“ Dann ließen sie das Opfer blutend am Tatort zurück. Ärzte stellten später u.a. einen vierfachen Nasenbruch, einen Jochbeinbruch, eine Kieferfraktur und zwei ausgeschlagene und drei angebrochene  Zähne fest. Außerdem war der Verletzte unterkühlt. Er leidet noch heute an den Folgen der Misshandlungen.

„Sie haben mir alles genommen“

Der Löbauer schilderte detailliert das Martyrium. „Ich wurde geboxt und geohrfeigt, in den Schnee gedrückt, mit dem Knie ins Gesicht geschlagen. Fast alle haben immer wieder zugeschlagen.“ Angekommen im Wald, versuchte er zu flüchten, wurde aber nach wenigen Meter eingeholt. „Dann musste ich mich komplett ausziehen. Auch die Kette, die mir meine Oma geschenkt hatte, wurde mir abgenommen.“ Sie hätten seine Klamotten unter sich aufgeteilt. Außerdem raubten sie sein Handy,  die Gürteltasche mit Portemonnaie und Schlüssel.  „Sie haben mir alles genommen.“ Allein blieb der Löbauer barfuß im Schneematsch zurück. Zuvor sei er noch ausgepeitscht worden, und zwar vom mitangeklagten Polen, wie er angab. Anschließend irrte er eine Dreiviertelstunde durch die Nacht, fast kriechend, bis zur fast zwei Kilometer entfernten Wohnung seiner besten Freundin.

Der misshandelte Löbauer bestätigte, dass er Schulden bei der 41-jährigen Angeklagten hatte. „Ich war bereit, ihr das Geld in Raten zurückzuzahlen, war aber finanziell nicht gut aufgestellt. Sie hat mich angerufen und gemeinsam mit anderen gedroht, ich soll das Geld vorbeibringen, egal wie.“

„Ich fühle mich als Buhmann“

Der 19-Jährige auf der Anklagebank räumte einige Schläge ein, schob die Hauptschuld auf den 27-jährigen Polen und auf die vierte noch nicht ermittelte „Psychofrau“, wie das Opfer seine Peinigerin bezeichnete. Seine Aussage bestätigte die mitangeklagte 41-jährige Löbauerin. Zugleich bestritt sie, den Mann geschlagen zu haben. „Ich habe ihn nicht angefasst und wollte, dass die anderen damit aufhören.“ Sie bat das Opfer um Entschuldigung. Es tue ihr alles sehr leid, sagte sie mit weinerlicher Stimme. „Ich wünschte, ich könnte alles rückgängig machen, ergänzte der mitangeklagte 19-Jährige.

Der Dritte in der Runde wies die Misshandlungsvorwürfe zurück. “Ich habe ihm nur eine geklatscht und drei Faustschläge ins Gesicht verpasst„, räumte der Pole, ein gelernter Maler und Lackierer, ein. Die anderen hätten “den Typen„ ins Auto gezogen. Nach seinen Angaben war vor allem die vierte noch nicht ermittelte Frau auf das Opfer losgegangen. “Ich stand die ganze Zeit daneben, habe ihn nicht bedroht.„ Er fühle sich als Buhmann in diesem Prozess. Aber auch er bat das Opfer um Entschuldigung.

Die Verhandlung wird fortgesetzt.