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Prozess in Görlitz - Versuchter Mord als Liebesbeweis?

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Er wollte seine Freundin nicht verlieren, deshalb sollte eine  andere Frau sterben. Seit heute wird einem 20-Jährigen aus Grevenbroich in Nordrhein-Westfalen vor dem Landgericht Görlitz der Prozess gemacht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm versuchten Mord vor. Er hatte sich als Postbote ausgegeben und sich so Einlass in das Haus der Zittauerin verschafft.  Den Ermittlungen zufolge drückte er ihr die Kehle zu und schlug mit Fäusten auf sie ein, so dass sie das Bewusstsein verlor. Ein herbeigeeilter Zeuge konnte Schlimmeres verhindern. 

Der Angeklagte – ein jungenhafter Typ mit schwarzer Brille, Abiturient -  gestand die Tat.  Er sah in der Frau eine Rivalin. Sie habe ihn und seine Freundin auseinander bringen wollen. Er sei so wütend gewesen, so verzweifelt, schilderte er. Mit der Tat habe er Jenny beweisen wollen, dass es ihm ernst sei.

Beide hatten sich 2017 in einem Internetforum kennengelernt. Da war er 16.  Sie lebten eine Fernbeziehung,  schickten sich kleine Päckchen, schauten zeitgleich Filme im Internet. Viermal trafen sie sich. Für ihn sei sie die erste Freundin, die erste Liebe gewesen. Am Ende seiner mehr als halbstündigen Erklärung entschuldigte er sich bei dem Opfer.

Der Angeklagte auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters, Theo Dahm: „Ich wollte ein Zeichen setzen, ich wollte das Problem lösen, ich wollte verhindern, dass sie sich weiter in unsere Beziehung einmischt“.

Eine Woche vor der Tat hatte er den Tatort ausgekundschaftet. Er war um das Mehrfamilienhaus an der Eckartsberger Straße geschlichen. Dann klingelte er,  gab sich als Heizungsmonteur aus und gelangte so in den Keller des Hauses. „Ich wollte mir einen Überblick verschaffen.“

Das Opfer schilderte die Tat. Beide hatten sich bis zur Tat noch nie gesehen, sondern nur per WhatsApp und Instagram Kontakt.  Die Zittauerin sollte an jenem Morgen des 27. August vergangenen Jahres ein Päckchen für eine Nachbarin annehmen. Der 21-Jährigen kam die Sache spanisch vor und die Stimme bekannt. Sie rief schnell ihre Freundin an. Sie sagte ihr, dass er es nicht sein könne, weil er sich derzeit in Köln aufhalte. So ging die Zittauerin die Treppe herunter und öffnete die Haustür. Er habe sie in eine Nische gestoßen.  „Er drückte mir die Kehle zu, stieß meinen Kopf auf die Fliesen. Ich wurde ohnmächtig. Er wollte mich umbringen!“  Als sie wieder zu sich  kam, hörte sie eine Nachbarin schreien. Der Rettungsdienst brachte die Frau ins Krankenhaus. Sie leide unter Panikattacken.

  Die Verhandlung wird zur Stunde fortgesetzt. Sechs Prozesstage sind geplant.