• Angebliches Opfer wegen Falschaussage festgenommen. Foto: kmk

    Angebliches Opfer wegen Falschaussage festgenommen. Foto: kmk

  • Auf Krücken in den Verhandlungssaal. Der Angeklagte. Foto: kmk

    Auf Krücken in den Verhandlungssaal. Der Angeklagte. Foto: kmk

Prozess wegen versuchten Mordes in Görlitz - Angebliches Opfer im Gerichtssaal verhaftet

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Überraschende Wende im Prozess gegen einen Vietnamesen am Landgericht Görlitz. Der Staatsanwalt ließ das angebliche Opfer heute Vormittag im Saal wegen des Verdachts der Falschaussage oder falschen Verdächtigung festnehmen -vor den Augen ihres kleinen Sohns.  Die 35-jährige Vietnamesin  hatte in der Verhandlung bestritten, dass ihr Freund sie töten wollte. Sie gab zu, bei der Polizei falsch ausgesagt zu haben. 

"Es war ein Unfall"

Ihr 23 Jahre älterer Freund ist des versuchten Mordes angeklagt. Er soll seine Lebensgefährtin auf seinem Grundstück in Bad Muskau mit Benzin übergossen und versucht haben, sie mit einem Feuerzeug anzuzünden. Der Angeklagte erklärte zu Prozessbeginn: Er habe nie seine Freundin töten wollen.  Die Tat stellte er als Unfall dar.   

"Mit dem Benzin wollte ich Farbflecke beseitigen"

„Ich war eifersüchtig, dachte, dass sie einen neuen Freund hatte, was aber nicht stimmte“, so der gehbehinderte Mann, der auf zwei Krücken in den Saal geführt wurde.  Als sie Anfang November vor ihm stand, sei er nicht mehr eifersüchtig gewesen.  „Ich wollte sie umarmen, dabei ist ein Schnapsglas voll Benzin auf ihren Anorak gelangt“, beteuerte der Angeklagte. Auf die Frage des Richters, warum er denn eine Flasche mit Benzin bei sich hatte, antwortete er, dass er damit Farbflecke in seiner frisch renovierten Wohnung beseitigen wollte.

Die Frau hatte unmittelbar nach der Tat der Polizei zu Protokoll gegeben, dass ihr gehbehinderter Freund auf einer Krücke zu ihr kam. In der anderen Hand habe er eine Bierflasche mit Benzin gehalten und ein Feuerzeug. Er habe sie umarmt und das Benzin über ihren Rücken gegossen. Dann  soll er versucht haben, sie anzuzünden.

So gibt es nun zwei Möglichkeiten. Entweder hat die Frau in der Vernehmung bei der Polizei tatsächlich die Unwahrheit gesagt. Dann wäre das eine falsche  Verdächtigung mit Freiheitsberaubung. Denn der Angeklagte saß seit November in Untersuchungshaft.  Oder aber sie hatte bei der Polizei die Wahrheit gesagt und später ihr Aussageverhalten geändert. Dann hätte sie heute vor Gericht falsch ausgesagt. Auch das ist strafbar.

Das Gericht hob den Haftbefehl gegen den Angeklagten auf. Morgen soll seine Freundin dem Haftrichter vorgeführt werden.

Der Prozess wird am 24. Mai fortgesetzt.