Prozess wegen versuchten Mordes - „Schwarz vor Augen“
Ein 43-jähriger Mann aus der Nähe von Görlitz soll versucht haben, einen Autoverkäufer zu ermorden. Bei der angeblichen Geldübergabe unter eine Autobahnbrücke bei Nieder Seifersdorf soll er dem Verkäufer eine Gasdruckpistole an die Schläfe gehalten und einen Schuss gefeuert haben. Heute hat der Prozess am Landgericht Görlitz begonnen. Der Angeklagte schwieg zu den Vorwürfen.
Dann sagte der Autoverkäufer aus. Er schilderte die Tat und die Vorgeschichte. Der Angeklagte hatte im Mai vergangenen Jahres bei einem Autohaus in Blankenburg im Harz einen Hyundai gekauft. Die Formalitäten wurden über das Internet abgewickelt, der Vertrag per Email geschlossen. Den vereinbarten Betrag von 33.000 Euro überwies er aber nicht, angeblich gab es irgendwelche Probleme. Er schlug stattdessen eine persönliche Geldübergabe vor.
Der Verkäufer reiste aus Sachsen-Anhalt an und fuhr mit ihm zur Volksbank nach Niesky. Er sollte im Auto warten. Wenig später sei er mit einem dicken Umschlag herausgekommen. Er habe vorgeschlagen, das Geld unter einer Autobahnbrücke zu übergeben, so der Autoverkäufer. Dort soll der Angeklagte auf den Rücksitz gewechselt sein, ihm plötzlich eine Waffe an die Schläfe gehalten und abgedrückt haben. Der Autoverkäufer wurde ohnmächtig: „Mir wurde schwarz vor Augen“. Als er wieder zu sich kam, sei der Angeklagte weggelaufen – mit dem Kfz-Brief und der zuvor unterschriebenen Empfangsbestätigung. Die Dokumente lagen auf dem Beifahrersitz.
Durch den Schuss erlitt der 59-jährige eine vier Millimeter große Wunde. Das Projektil musste herausoperiert werden. Auf die Frage des des Vorsitzenden Richters Theo Dahm, welchen körperlichen Eindruck der Angeklagte damals auf ihn gemacht habe, antwortete er: „Eine normale Erscheinung. Er war nicht im Rollstuhl, trug auch keine Augenbinde“.
Der Prozess wird fortgesetzt.