Prozess zu Einbruch in Schloss Taubenheim - Kommt es zu einem Deal?
Ein Automechaniker, ein Gärtner, ein Koch und ein Friseur – sie müssen sich seit heute vor dem Landgericht in Bautzen verantworten. Alle haben offenbar das Metier gewechselt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen versuchten schwere räuberische Erpressung und versuchten schweren Bandendiebstahl vor.
Zwei der Angeklagten sollen Anfang dieses Jahres – gemeinsam mit drei Komplizen – in Schloss Taubenheim bei Bautzen eingebrochen sein. Sie hatten es auf den Tresor des Schlossherrn abgesehen. Eine Angestellte, die zufällig dazu kam, wurde mit einer Pistole bedroht, gefesselt und eingesperrt.
Alle vier Angeklagten werden außerdem für den versuchten Einbruch in ein Wohn- und Geschäftshaus gut zwei Wochen später in Seifersdorf bei Radeberg verantwortlich gemacht. Da waren sie aber schon im Fokus der Polizei. Sie wurden observiert. Zwei wurden noch am Tatort gestellt, ein Dritter im Zug in Hamm in Nordrhein-Westfalen und der Vierte ein paar Tage später im Asylbewerberheim Niesky.
Die Gruppierung soll ihre Taten von Spanien aus geplant haben. Die Mitglieder seien arbeitsteilig und organisiert vorgegangen, so Staatsanwalt Christopher Gerhardi. Für den Einbruch in Schloss Taubenheim wurden zwei Autos angemietet. Mitglieder der Gruppierung bezogen Quartier in der tschechischen Grenzstadt Rumburk. Einer spähte den Tatort aus. Über eine Whatsapp-Gruppe hielten sie Kontakt.
Den vier Angeklagten - zwei Rumänen und zwei Tunesier – wird vorgeworfen, sich mit anderen zu einer Gruppierung zusammengeschlossen zu haben und bewaffnet mit Schusswaffen und Messern Einbrüche begangen zu haben. Die Beute – Bargeld und Wertgegenstände – sei nach Spanien und Kolumbien gebracht worden, so die Ermittlungen. Davon hätten die Bandenmitglieder teilweise ihren Lebensunterhalt finanziert.
Einer der Einbrecher wurde schon vor einem Monat in Bautzen verurteilt. Der Spanier mit kolumbianischen Wurzeln erhielt drei Jahre Gefängnis. Die Strafe fiel deshalb relativ niedrig aus, weil er sich kooperativ gezeigt, also einen Beitrag zur Aufklärung des Falls geleistet hatte. Der 24-Jährige soll im heute begonnen Prozess aussagen.
Nach der Anklageverlesung heute Vormittag zogen sich die Prozessparteien zu einem sogenannten Rechtsgespräch zurück. Der Vorsitzende Richter Heiko Philippi stellte am Mittag in Aussicht, dass die Angeklagten mit Freiheitsstrafen von einem Jahr und neun Monaten bis fünf Jahren rechnen könnten, wenn sie umfassende und glaubhafte Geständnisse ablegen. Die Angeklagten wollen sich dazu morgen äußern, sagte uns ein Gerichtssprecher.