Bewährungsstrafe im Görlitzer Maro-Park-Brandprozess
Im Prozess zum Großbrand im Görlitzer Maro-Gewerbepark ist das Urteil gefallen. Der angeklagte Kfz-Mechaniker hat eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten erhalten. Das Amtsgericht Görlitz setzte die Strafe zur Bewährung aus. Der 32-Jährige war wegen grob fahrlässiger Brandstiftung angeklagt.
Laut Anklage hatte er Sicherheitsregeln beim Benzinablassen missachtet, dadurch das Feuer fahrlässig verursacht und so einen Schaden von 6,4 Millionen Euro angerichtet zu haben. Zudem habe er mit 1,2 Promille erheblich unter Alkohol gestanden. Der denkmalgeschützte Hallenkomplex brannte vor fast genau einem Jahr bis auf die Grundmauern nieder.
Richter Uwe Kühnhold erkannte auf fahrlässige Brandstiftung. Dem Vorwurf, der Angeklagte habe zum Zeitpunkt des Brandausbruchs unter Alkohol gestanden, folgte er aber nicht. Er glaubte dem Kfz-Mechaniker. Der Angeklagte hatte beteuert, erst später Bier getrunken zu haben.
Über eine Wiedergutmachung des Brandschadens muss in einem Zivilprozess verhandelt werden. Den Antrag, diese Frage gleich heute im Strafverfahren zu klären, lehnte der Richter ab.
Angeklagter fühlt sich unschuldig
Der Angeklagte wies zu Prozessbeginn jegliche Schuld von sich. Er sieht sich durch Presseveröffentlichungen vorverurteilt. Über seine Verteidigerin Ines Kilian bestätigte der 32-Jährige, dass er er bei einem zur Verschrottung bestimmten Auto das Benzin ablassen wollte. Er habe den Tank mit einem Akkuschrauber aber nur angebohrt. Anschließend wollte er das Loch mit einem Schraubenzieher durchstoßen und den darunter stehenden Kanister mit einem Schlauch verbinden. Plötzlich habe am Boden eine Benzinpfütze gebrannt. „Es geschah in Bruchteilen von Sekunden. Ich wollte die Flammen noch mit einem Feuerlöscher bekämpfen und das Auto von der Hebebühne ins Freie schieben. Aber ich war völlig überfordert“. Den Band könne er sich nicht erklären. „Auf den Schock habe ich danach auf die Schnelle noch ein paar Bier getrunken“. Zuvor sei er aber nüchtern gewesen.
Mitarbeiter: „Er hat Bier getrunken“
Ein Mitarbeiter des Kfz-Mechanikers, der als Zeuge gehört wurde, widersprach der Darstellung des Angeklagten. „Ich habe gesehen, wie das Benzin aus dem Tank in den etwa ein Meter darunter stehenden Kanister lief. Als die brennende Benzinsäule aufstieg, schmiss er den Akkuschrauber weg. Einen Schlauch hielt er nicht in der Hand“. Der Zeuge berichtete, dass der Angeklagte auf Arbeit häufig Bier trank. „Es standen im Aufenthaltsraum immer mehrere Kästen “.
Angeklagter hat zwei neue Hobbys
Der Angeklagte verfolgte die Verhandlung schweigend mit einem mit Pflaster verklebten Auge. Die Verletzung habe er sich beim Holzhacken, einem seiner zwei neuen Hobbys, zugezogen, erklärte seine Verteidigerin. Außerdem ist er jetzt stolzer Hundebesitzer. Die Labrador-Welpen würden ihm helfen, Stress abzubauen. Damit habe er sich einen Traum erfüllt.
Albtraum für Gewerbetreibende des Maro-Parks
Ein Albtraum bleibt der Brand für die anderen fast 30 Gewerbetreibenden im Görlitzer Maro-Park. Sie hatten alles verloren, standen vor dem Ruin. Einige gaben auf. Zehn sind inzwischen wieder zurückgekehrt. Der Wiederaufbau läuft. Teile des ehemaligen Industriebaus sind eingerüstet.
„Wir wollen historische Fassaden, Zwischenwände, Dach- und Deckenkonstruktionen, Bauelemente wie Stahlträger erhalten, um der Immobilie eines Tages wieder eines Tages eine Seele einzuhauchen. Es wird keine alte Fassade mit WBS-70-Platten dahinter geben“, sagte uns die Verwalterin der 30.000 Quadratmeter großen Immobilie, Anke Klaus. Voraussichtlich im Frühjahr nächsten Jahres soll der Wiederaufbau abgeschlossen sein.