Prozess zu Großbrand in Pulsnitz - Angeklagter schweigt
Ein Pole soll gemeinsam mit zwei Komplizen eine Lagerhalle eines Estrichverlegers in Pulsnitz angezündet und sich anschließend eine Verfolgungsjagd mit der Polizei geliefert haben. Der 23-jährige Bauhelfer aus Lauban muss sich seit heute vor dem Landgericht in Bautzen verantworten. Der Angeklagte machte zu Prozessbeginn keine Angaben – weder zu den Tatvorwürfen noch zu seiner Person. Verteidiger Ulf Israel sagte unserem Sender, sein Mandant habe mit der Brandstiftung nichts zu tun.
Dagegen wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor, durch seine Fahrdienste die Tat zumindest unterstützt zu haben. Der Angeklagte hatte ein halbes Jahr für den Pulsnitzer Unternehmer gearbeitet – wie auch andere Polen. Vor den Brand hatte der Handwerker sich von seinem polnischen Subunternehmer getrennt - angeblich im Einvernehmen. Es habe da keine Probleme gegeben, erklärte er in der Verhandlung.
Ende Juni vergangenen Jahres ging die Lagerhalle der Estrichfirma in Flammen auf. Sämtliches Inventar wurde zerstört, außerdem der Mercedes eines polnischen Mitarbeiters. Es entstand ein Schaden von rund einer halben Million Euro. Spürhunde der Polizei erschnüffelten mindestens drei Zündstellen mit Spuren von Brandmittelbeschleuniger, also Benzin oder einer anderen brennbaren Flüssigkeit.
Eine Viertelstunde nachdem ein Anwohner den Brand gemeldet hatte, versuchten herbeigeeilte Polizisten, ein verdächtiges Auto mit drei Insassen in Tatortnähe zu stoppen. Der Fahrer aber gab Gas. Er raste davon, nach Ohorn und weiter mit Tempo 200 über die A 4 in Richtung Görlitz. Während der Verfolgungsjagd wurde zwischen Uhyst und Salzenforst ein Benzinkanister aus dem Wagen geworfen. Er verfehlte einen Streifenwagen nur knapp. Bei Bautzen konnte die Polizei das Fluchtauto zunächst stoppen. Ein Einsatzfahrzeug stellte sich davor. Der Fahrer setzte zunächst zurück, legte dann den Vorwärtsgang ein und hielt auf einen Polizisten zu. Der Beamte konnte sich im letzten Augenblick mit einem Sprung zur Seite retten. Die Verfolgungsjagd ging noch ein paar hundert Meter weiter. Dann gab der Ausreißer auf. Er stieg aus, legte sich vor das Auto und ließ sich festnehmen. Zuvor hatte er seine beiden Insassen aus dem Wagen gelassen.
Eine Anwohnerin gab in der Verhandlung an, sie habe ein weißes Auto vom Brandort wegfahren sehen. Der Unternehmer, der die Halle angemietet hatte, sagte aus, dass sie vor dem Feuer verschlossen war. Er hatte dort Arbeitsmaterial, wie Dämmstoffe und Harze, gelagert. Außerdem waren zwei Firmenfahrzeuge untergestellt und das Auto eines polnischen Mitarbeiters. Der Pkw sei zwei Wochen zuvor auf der Rietschelstraße in Pulsnitz demoliert worden.
Die Verhandlung wird am kommenden Donnerstag fortgesetzt.