• Am 24. Juli 2015 starb ein Randalierer bei einem Polizeieinsatz in der damaligen Commerzbank-Filiale. © Ralph Köhler/Archiv

    Am 24. Juli 2015 starb ein Randalierer bei einem Polizeieinsatz in der damaligen Commerzbank-Filiale. © Ralph Köhler/Archiv

Prozessauftakt nach tödlichem Polizeizugriff in Zwickauer Bankfiliale

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Mit aller Kraft versuchen drei Polizisten einen muskulösen Bodybuilder zu bändigen. Schließlich liegt der 27-Jährige regungslos auf dem Boden. Ein Überwachungsvideo von Juli 2015 aus einer Zwickauer Bankfiliale zeigt einen Polizeieinsatz mit tödlichem Ausgang. Seit Montag stehen die Polizisten nun wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht. Weil sie den Zwickauer nicht beruhigen konnten, drückten sie ihn zu Boden und fesselten ihn an Händen und Füßen. In der Folge starb der Mann laut Anklage an stress- und lagebedingtem Herzversagen. Zuvor hatte er in dem Vorraum randaliert und war einem Platzverweis nicht nachgekommen.

Der kräftige Mann habe sich bis zum Eintreffen der Rettungssanitäter heftig gewehrt, sie hätten um ihr eigenes Leben gefürchtet, sagte einer der Angeklagten zum Prozessauftakt am Montag vor dem Landgericht Zwickau. Den Ausgang des Geschehens hätten sie nicht gewollt. Staatsanwaltschaft und die Familie des Toten, die als Nebenkläger auftritt, werfen den Beamten hingegen übermäßige Gewaltanwendung vor.

Das Gericht will nun an vier Verhandlungstagen bis Mitte November klären, welche Rolle eine Herzerkrankung und der Drogenkonsum des Mannes spielten oder ob ein Fehlverhalten der Polizisten vorlag. Laut rechtsmedizinischer Gutachten hatte der Tote ein vergrößertes Herz infolge von Anabolika-Missbrauch und einer Vergiftung durch das Aufputschmittel Metamphetamin. Auch weil insgesamt drei Gutachten erstellt wurden, findet das Verfahren erst rund vier Jahre nach dem eigentlichen Geschehen statt. 

Die damalige Freundin des Toten bestätigte im Zeugenstand den Drogenmissbrauch. Philipp P. habe sich in den letzten Wochen vor seinem Tod zudem ein neues Muskelaufbaumittel gespritzt und noch einmal massiv an Gewicht zugelegt. Auch habe er über Atembeschwerden geklagt. Die 30-Jährige schilderte zudem tätliche Auseinandersetzungen mit dem Kraftsportler. Demnach soll er die Tür ihrer Wohnung eingetreten und sie geschlagen haben. Zuletzt habe sie ein Kontaktverbot nach dem Gewaltschutzgesetz erwirkt. «Er war ein netter lieber Kerl, aber unter Drogen hat es einen Schalter umgelegt», sagte die Frau.

Zuvor hatte die Mutter des Verstorbenen ihre letzte Begegnung mit ihrem Sohn geschildert. Demnach sei er zuletzt auf einem guten Weg gewesen, sein Leben ohne Drogen wieder in den Griff zu bekommen, so ihr Eindruck.

Das Verfahren wird am Dienstag fortgesetzt. Im Falle einer Verurteilung drohen den Polizisten auch dienstrechtliche Konsequenzen. Ein entsprechendes Verfahren ruhe derzeit aber bis zu einer Entscheidung der Strafkammer, sagte einer der Verteidiger der Deutschen Presse-Agentur. Die angeklagten Polizisten seien derzeit im Dienst.