• Der Czorneboh - Hausberg der Bautzener. Am Aussichtsturm steht noch der Sockel des ehemaligen Bismarck-Denkmals. Es wurde von Anton Schwarz (1853-1905) geschaffen.

Rolle rückwärts im Bautzener Stadtrat - Streit um Bismarck-Denkmal entschieden

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Rolle rückwärts in Bautzen. Der Stadtrat hat gestern Abend mehrheitlich den Beschluss zur Wiedererrichtung des Bismarck-Denkmals auf dem Czorneboh gekippt. Zwölf stimmten dafür, neun dagegen, drei enthielten sich. Vorausgegangen war eine ausführliche Diskussion. Grüne und Linke hatten den Punkt auf die Tagesordnung gebracht.  

Mit der Wiedererrichtung des Denkmals würde ein Zeichen des Nationalismus gesetzt, warnte Klaus Gruhl, Bündnis 90/ Grüne. Zudem hätten Bautzen und Bismarck nichts miteinander zu tun. Roland Fleischer (SPD) - er hatte zunächst im Hauptausschuss für das Denkmal die Hand gehoben -  machte eine Kehrtwende und warnte, dass der Czorneboh zur Pilgerstätte für Nationalisten und Rechtsextremisten werden könnte.„Blödsinn“, entgegnete Oliver Helbing, AfD. Es wäre ein schlechtes Signal, wenn der Stadtrat gegen das Denkmal stimme. Das sei kein gutes Bild, so der Vorsitzende der Fraktion, Albert, Sieghard, 

Katja Gerhardi, CDU, mahnte, dass der soziale Friede in der Stadt gefährdet werde. Durch das Bismarck-Denkmal drohe Bautzen überregional ein Imageschaden. Die guten Beziehungen zu den Sorben würden massiv belastet.Mike Hauschild, FDP, bezeichnete die Wiedererrichtung als ein politisches Statement. Es sei wichtiger, den Blick in die Zukunft zu richten und kein Denkmal aus der alten Zeit aufzustellen.

Oberbürgermeister Alexander Ahrens erklärte, man sollte den Mut haben, es wiederaufzustellen, aber nicht unkommentiert. Die Figur Bismarck sollte Anlass sein für Diskussionen, auch an diesem Ort. Bismarck sei eine ambivalente Persönlichkeit, er habe auch Fehler gemacht. Die müssten aber im Spiegel der damaligen Zeit gesehen werden. Seine Verdienste seien die Reichseinigung und die Gründung eines modernen Sozialstaates.

Der Verein "Bautzener Liedertafel" hatte beantragt, eine Kopie des Anfang der 1950er Jahre zerstörten Denkmals aufzustellen und es der Stadt als Schenkung zu übertragen. Der Hauptausschuss des Stadtrates stimmte zu. Danach kam eine öffentliche Diskussion ins Rollen. Rund 1.500 Menschen unterzeichneten eine Petition gegen die Wiedererrichtung. Protest kam vor allem von den Sorben. Es werde da eine Persönlichkeit auf den Sockel gehoben,  die nicht im Geringsten als positiver Bezugspunkt der Erinnerungskultur einer demokratischen und weltoffenen Gesellschaft tauge. Bismarck habe nach außen „Blut und Eisen“ und nach innen „Zuckerbrot und Peitsche“ vertreten, meldete sich das Sorbische Institut zu Wort.

Ein Mitglied der "Liedertafel" verteidigte gestern Abend im Stadtrat die Absicht, Bismarck wieder auf den Sockel zu heben. "Denkmäler sind historische Gedächtnisspeicher." Der Vertreter des Vereins sprach von "Ehrfurcht vor den Menschen, die das Denkmal damals errichtet haben" und von "Ehrfurcht vor dem Schöpfer des Kunstwerkes".

Etwas Bismarck aber bleibt übrig. Der erster Reichskanzler des Deutschen Reiches (1815 bis 1898) ist noch Ehrenbürger der Stadt.