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Sachsens Innenminister trifft Wirt des attackierten jüdischen Lokals

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Nach den Bekanntwerden eines Angriffs auf ein jüdisches Lokal in Chemnitz hat sich der sächsische Innenminister Roland Wöller (CDU) mit dem Wirt getroffen. Die Polizei arbeite mit Hochdruck daran, "diese widerliche Tat aufzuklären", erklärte das Ministerium zu dem Treffen vom Samstagabend.Der Wirt des Lokals "Schalom" hat Anzeige erstattet. Am Abend des 27. August hat demnach eine Gruppe teils Vermummter das Restaurant angegriffen und mit Steinen und Flaschen beworfen. Er meine, dabei den Ruf "Judensau, hau ab aus Deutschland" gehört zu haben, sagte der Betreiber Uwe Dziuballa der dpa. Die Attacke habe nur wenige Sekunden gedauert.Zentralrat der Juden: Lage in Chemnitz nicht schönredenDer Zentralrat der Juden warnt vor einer Bagatellisierung der fremdenfeindlichen und antisemitischen Übergriffe in Chemnitz. "Für die Versuche einiger Politiker und Vertreter der Sicherheitsbehörden, die Lage in Chemnitz schönzureden, habe ich kein Verständnis", erklärte Präsident Josef Schuster am Sonntag. Über den Angriff auf ein koscheres Restaurant in der sächsischen Stadt sei er erschüttert.Die "rassistischen Ausschreitungen" und der Angriff auf das Restaurant zeigten, wie stark der Rechtsextremismus in der Region verwurzelt sei, sagte Schuster. "Beschwichtigungsversuche und eine mangelnde Distanzierung von Rechtspopulisten spielen genau diesen Kräften in die Hände", warnte er. "Wir müssen das Problem beim Namen nennen. Das erwarte ich vor allem von denen, die für die innere Sicherheit in Deutschland verantwortlich sind. Es ist fünf nach Zwölf! Die Bestrebungen der Verfassungsbehörden, die Vorfälle offensichtlich zu bagatellisieren, lassen mich ernsthaft an der Arbeit dieser Behörden zweifeln."Der Präsident des Verfassungsschutzes, Hans-Georg Maaßen, hatte der "Bild"-Zeitung gesagt, er sehe "Medienberichte zu rechtsextremistischen Hetzjagden in Chemnitz" mit Skepsis. Zu einem Video, das offenbar die Bedrohung mutmaßlicher Ausländer zeigt, sagte Maaßen, es gebe keine Belege, aber "gute Gründe, dass es sich um eine gezielte Falschinformation handelt, um möglicherweise die Öffentlichkeit von dem Mord in Chemnitz abzulenken". Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte Maaßen danach sein volles Vertrauen ausgesprochen.In Chemnitz war vor zwei Wochen ein Mann erstochen worden, tatverdächtig sind drei Asylbewerber, von denen einer noch gesucht wird. Nach der Tat kam es in der Stadt zu Trauermärschen und Protesten und auch zu fremdenfeindlichen Übergriffen.