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Schleuserprozess in Görlitz: Ein Leipziger Architekt auf Abwegen

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Was macht ein Architekt? Klar, Häuser entwerfen. Planen, Werte schaffen. Ein Architekt aus Leipzig hat sich dagegen in einem ganz anderen Metier versucht. Er schleuste Migranten ein – im großen Stil. Seit heute wird ihm in Görlitz der Prozess gemacht.

Die Geschäfte liefen schlecht. Mal hier, mal da ein Auftrag. Dann wieder eine Weile nichts. Keine Rücklagen.  Seine Frau mit den beiden Kindern hatte sich von ihm getrennt. Er hatte Schulden beim Finanzamt (60.000 Euro), hinzu kamen Unterhalts- und Gläubigerforderungen.

Mit einem umgebauten Kleinbus tingelte der gebürtige Stuttgarter  durch Europa, bot Mitfahrgelegenheiten an. Eines Tages stieg ein Mann zu, der ihm ein „zweites Business“ anbot. Eine Woche später wurde der Architekt in Polen beim Schleusen erwischt. Er hatte Glück, kam mit Bewährung davon. Dagegen fuhr er in Ungarn für zweieinhalb Jahre ein. Nach einem Jahr wurde er abgeschoben. Seine Wohnung in Leipzig war in der Zeit zwangsgeräumt worden. Er habe vorübergehend in einer Hängematte am Cospudener See geschlafen und Bürgergeld bezogen.

Der Leipziger fing wieder an zu schleusen. Sechsmal holte er Migranten aus der Slowakei ab, karrte sie mit angemieteten Kleintransportern über Polen nach Deutschland – insgesamt über 150, so der Staatsanwalt. Dafür erhielt er 10.000 Euro auf die Hand. Für sein „zweites Business“ zog sich der 50-Jährige Frauenkleider an, „weil er sich darin wohler fühle“.   

Für die Zukunft hat der Architekt schon Pläne. Er will nach Afrika. Auf einer Dating-Plattform hatte der Leipziger vier Frauen aus Uganda kennengelernt. Zu ihnen will er ziehen, für jede und für sich selbst ein Haus bauen, wenn er wieder frei sei.

Der Prozess wird fortgesetzt.