Signal aus Niesky für Bahnindustrie in der Lausitz
Von Niesky könnte künftig ein starker Impuls für die Bahnindustrie in der Lausitz ausgehen. Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig erhielt heute eine Studie für ein Eisenbahntestzentrum. In dem Papier der „Wirtschaftsregion Lausitz“ werden die mit dem Projekt verbundenen Potentiale für den Strukturwandel in der Region ausgelotet. Niesky wird als Standort für das Testzentrum mit einem 20 Kilometer langen Gleisoval vorgeschlagen. Dort könnten Schienenfahrzeuge aller Art für ihre Zulassung erprobt werden, vom Lkw auf Schienen über Straßenbahnen bis hin zu ICE-Zügen.
„Auf dem Ring können die mechanischen und elektronischen Eigenschaften und Ausrüstungen, Klima- und Antriebstechnik sowie -steuerung erprobt werden, aber auch die Anbindung an die Zugsicherungssysteme“, erläutert Uwe Rönsch von der TÜV Süd Rail GmbH. Der TÜV betreibt ein kleines Testzentrum in Görlitz-Schlauroth. Der Standort Niesky eigne sich vor allem wegen seiner topografischen Lage. „Hier gibt es ein neigungsfreies Gelände“,, so Rönsch. Für den Ring ist ein Grundstück im Norden der Stadt vorgesehen.
Mit dem Eisenbahntechniktestzentrum - kurz „Tetis“ - könnten 150 Jobs entstehen und mehrere hundert indirekte Arbeitsplätze. Die Investitionskosten werden auf 270 Millionen Euro geschätzt.
Projekt steht noch am Anfang
Die politische Entscheidung für Niesky sei nun getroffen, so Wirtschaftsminister Martin Dulig. Damit werde ein Signal des Aufbruchs für die Bahnindustrie in der Lausitz gesendet. Er dämpfte zugleich zu große Euphorie. Das Projekt stehe noch am Anfang. Zunächst müsse das Kohleausstiegs- und Strukturstärkungsgesetz durch den Bundestag verabschiedet und ein Betreiberkonsortium gesucht werden. Eine definitive Entscheidung für den Standort Niesky soll im Laufe dieses Jahres fallen. Nach einer optimistischen Schätzung könnte 2024 mit dem Bau begonnen und das Testoval zwei Jahre später in Betrieb gehen. Dafür soll ein Grundstück im Norden der Stadt genutzt werden.
Der Landkreis Görlitz will das Projekt aktiv begleiten. Landrat Bernd Lange kündigte die Bildung einer Arbeitsgruppe an. Sie soll den Planungsprozess absichern. Die Nieskyer Oberbürgermeisterin Beate Hoffmann sprach von einer Chance für die Region.