SLV-Umfrage zeigt: Gewalt gegen Lehrkräfte nimmt zu

Zuletzt aktualisiert:

Die Gewalt gegen Lehrkräfte in Sachsen nimmt zu. Das geht aus der Mitgliederbefragung des Sächsischen Lehrerverbandes hervor.

In der Online-Umfrage wurde anonymisiert nach Fällen im Zusammenhang mit psychischer Gewalt, Mobbing über das Internet sowie körperlicher Gewalt an der eigenen Schule gefragt. Angriffe im Zusammenhang mit Corona-Schutzmaßnahmen wurden gesondert betrachtet. Die Fragen nach „Gewalt gegen Lehrkräfte“ schließen auch Gewalt gegen Schulleitungen bzw. das weitere Personal an Schulen ein.

Die Ergebnisse der Umfrage zeigen deutlich, dass in den letzten drei Jahren an den sächsischen Schulen verschiedene Formen der Gewalt gegenüber Lehrkräften, Schulleitungen sowie dem weiteren Schulpersonal aufgetreten sind. Am häufigsten handelte es sich dabei um psychische Gewalt und Mobbing über das Internet, so der SLV. Es kam aber auch zu körperlichen Angriffen.

„Für den Sächsischen Lehrerverband ist jeder auftretende Fall von Gewalt gegen Lehrkräfte ein Fall zu viel. Die Befragungsergebnisse zeigen, dass das Thema eine immer größere Rolle spielt und deshalb stärker in den Blick genommen werden muss, um die Betroffenen besser schützen zu können“, sagt Jens Weichelt, Landesvorsitzender des Sächsischen Lehrerverbandes.

Fast zwei Drittel der Befragten gaben an, dass es an ihrer Schule in den letzten drei Jahren Fälle von psychischer Gewalt gegenüber Lehrkräften oder der Schulleitung gab.

Am häufigsten wurden solche Vorfälle von Förderschullehrkräften (82 Prozent) genannt, am wenigsten von Gymnasiallehrkräften, aber selbst dort noch von 46 Prozent. Damit ist diese Form der Gewalt, welche sich z. B. durch Beschimpfungen, Bedrohungen, Beleidigungen, Mobbing, und Belästigungen äußert, am häufigsten in Erscheinung getreten. Die psychische Gewalt ging dabei meist von Schülern oder Eltern aus (95 Prozent).

30 Prozent der Befragten bestätigten, dass es an ihrer Schule bereits Fälle von Mobbing über das Internet gab, z. B. Diffamierung, Belästigung, Nötigung. Mit 66 Prozent haben Befragungsteilnehmer aus Förderschulen derartige Vorfälle am häufigsten genannt, am wenigsten Lehrkräfte der Beruflichen Schulen (6 Prozent). Größtenteils gingen diese Fälle von den Schülern oder Eltern aus (98 Prozent).

24 Prozent der befragten Teilnehmer haben an ihrer Schule körperliche Gewalt gegen Lehrkräfte erlebt, z. B. Schlagen, Stoßen, mit Gegenständen werfen. Solche Vorfälle gingen zu 94 Prozent von den Schülern aus. Auffällig sind die hohen Zahlen von körperlicher Gewalt durch Schüler an Grundschulen (30 Prozent) und die vergleichsweise niedrigeren an den weiterführenden Schulen. Das spricht für eine sehr gute Wertevermittlung und Erziehung durch Grundschullehrkräfte.

Im Zusammenhang mit Corona-Schutzmaßnahmen berichteten 41 Prozent der 1.052 Befragungsteilnehmer von psychischer Gewalt, 28 Prozent von Mobbing über das Internet und von zehn Fällen körperlicher Gewalt (1 Prozent). Angriffe auf Lehrkräfte bzw. Schulleitungen im Zusammenhang mit Corona-Schutzmaßnahmen waren zu 75 Prozent von Eltern und zu 19 Prozent von Schülern ausgehend. Weil sich der Betrachtungszeitraum bei Angriffen auf Lehrkräfte bzw. Schulleitungen im Zusammenhang mit Corona-Schutzmaßnahmen nur auf die letzten maximal 13 Monate erstreckt, bedeuten die Zahlen ein überdurchschnittliches Niveau.

Die Mitgliederbefragung zeigt aber auch, dass die Betroffenen Unterstützung erfahren haben. Von den Befragungsteilnehmern wurde am häufigsten die Unterstützung durch die Schulleitung genannt, je nach Befragungskategorie von ca. 50 bis 63 Prozent. Aber auch andere leisteten den notwendigen Beistand, meist Kolleginnen und Kollegen, die eigene Familie, Eltern anderer Schüler, Personalrat/Lehrerverband, Schulsozialarbeiter, Schulpsychologen, Beratungslehrer usw.

In schwerwiegenden Fällen wurde auch die Schulaufsicht aktiv.

 „Immer dann, wenn ‚Rote Linien‘ überschritten werden brauchen wir den Schulterschluss aller Anständigen im Interesse der Betroffenen. In besonders schweren Fällen wie Straftaten, Bedrohungen und Mobbing übers Internet bedarf es einer Unterstützung mit allen geeigneten Mitteln, auch durch Strafverfolgungsbehörden, Juristen, Psychologen usw.“, fordert Jens Weichelt.

Etwa ein Fünftel der Fälle von Angriffen auf Lehrkräfte bzw. Schulleitungen konnten nicht zur Zufriedenheit der Betroffenen schulintern gelöst werden. Insbesondere bei Fällen von psychischer Gewalt sowie Mobbing über das Internet war es am schwierigsten, diese aufzuklären und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Häufig wurden Vorfälle im Interesse der Schule und der betroffenen Lehrkräfte nicht öffentlich kommuniziert.

An der Mitgliederbefragung haben sich insgesamt 1.052 Lehrerinnen und Lehrer aller Schularten aus allen Regionen des Freistaats beteiligt. Der sächsische Lehrerverband hat vom 16. bis 19. April eine Umfrage zum Thema "Gewalt gegen Lehrkräfte" durchgeführt.

Eine ausführliche Darstellung von Ergebnissen der Mitgliederbefragung findet sich auf der SLV-Homepage unter www.slv-gewerkschaft.de