Spaziergang für eine offene Grenze nach Polen
Polnische Arbeitspendler wollen sich an diesem Freitag an der Görlitzer Altstadtbrücke zu einem Spaziergang treffen. Sie fordern die Öffnung der seit Wochen geschlossenen Grenze. Zum Protest werden nicht nur Pendler auf polnischer Seite erwartet. Nach unseren Informationen wollen sich in Görlitz und Umgebung arbeitende Polen, die momentan nicht in ihre Heimat zurück können, auch auf deutscher Seite versammeln. Polen schickt Reisende, die Neiße und Oder überqueren, in eine zweiwöchige Quarantäne. Die Regierung in Warschau will so eine Ausbreitung des Corona-Virus eindämmen.
Michal Niebudek ist im Zwangsurlaub, wie er sagt. Im Homeoffice in Zgorzelec. Der 29-jährige Pole arbeitet in Kodersdorf, nur wenige Kilometer von zu Hause entfernt. Er könnte jederzeit an seinen Arbeitsplatz. Er könnte auch die Grenze nach Polen wieder überqueren – aber mit der Konsequenz, dass er eine Zwangspause einlegen muss: zwei Wochen Quarantäne.
Deshalb ist er im Homeoffice – seit vier Wochen schon. Andere Polen haben sich in Deutschland ein Zimmer gesucht oder eine WG. Das geht aber ins Geld. Und ihre Familien haben sie auch schon lange nicht gesehen. Niebudek will wieder durchlässige Grenzen. Er will sich deshalb morgen an der Altstadtbrücke mit anderen Pendlern auf einen Spaziergang begeben.
Die strengen Quarantäneregeln an den Grenzen gelten noch bis zum Sonntag. Auf der Internetseite der polnischen Regierung steht aber auch, dass die Anordnung noch verlängert werden könnte.
Unterdessen hat die tschechische Regierung die seit Wochen geltenden Ausgangsbeschränkungen überraschend aufgehoben. Ein Gericht in Prag hatte zuvor die bisherigen Maßnahmen aus formalen Gründen für rechtswidrig erklärt. Auch wird das Leben tschechischer Berufspendler einfacher: Wer in Deutschland oder Österreich arbeitet darf jetzt täglich über die Grenze - muss aber alle zwei Wochen einen neuen Corona-Test machen.