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„Sterbehilfe“ für Cunewalde

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„Wir werden in die Knie gehen, wenn die Förderung nicht kommt.“ Der Cunewalder Bürgermeister Thomas Martolock sitzt auf der Bühne. Noch sind die Scheinwerfer in der „Blauen Kugel“ nicht erloschen.  Spätestens Ende März muss er Entscheidungen treffen, den „geordneten Ausstieg“ einleiten, wie er sagt.  

Der Kulturkonvent hat einen Antrag der Gemeinde auf eine feste, regelmäßige Förderung des Kulturbetriebes in Cunewalde abgelehnt. Damit könnte ein Präzedenzfall geschaffen werden, andere Kommunen auch Geld fordern, so die Argumentation. Cunewalde  fehlen rund 100.000 Euro, um das breite Kulturangebot aufrecht zu erhalten. Das ist nicht nur das Tagungs- und Veranstaltungszentrum „Blaue Kugel“. Der staatlich anerkannte Erholungsort – der einzige im Landkreis Bautzen - betreibt auch zwei Museen, eine Bibliothek und den Umgebindehauspark. Jährlich kommen rund 80.000 Gäste  ins Cunewalder Tal.

„Ich erwarte ein größeres Verständnis für die Kultur im ländlichen Raum“, appelliert der Bürgermeister wiederholt an die Gremien des Kulturraumes. Unterstützung bekommt er von Künstlern und Veranstaltungsagenturen, darunter von der Kabarettistin Lisa Fitz und der Band „The Cashbags“. Sie haben ihm geschrieben. Einige sind gestern extra nach Cunewalde gekommen, um sich solidarisch zu zeigen, sie wollen nicht, dass in der  „Blauen Kugel“ zum Jahresende die Lichter ausgehen.   Es wäre ein Desaster, wenn das Haus schließen müsste, so der Geschäftsführer der „Herkuleskeule“ Dresden, Arnim Proft. Wenn ein so gut laufendes Haus schließen müsste, wäre das absurd.  Der Kulturkonvent sollte noch einmal über eine Förderung nachdenken, so Stephan Köhler, Bandmitglied der „Cashbags“.

 Der Kulturkonvent hat Cunewalde eine einmalige Sonderförderung von  bis zu 45.000 Euro in Aussicht gestellt. Mehr aber nicht. „Eine Sterbehilfe“ für den geordneten Ausstieg, so der  Bürgermeister. Er hat  Solidarität von den anderen Fördermittelempfängern im Kulturraum Oberlausitz-Niederschlesien erwartet. Sie könnten doch Angebote einschränken oder Eintrittspreise erhöhen, um Cunewalde zu helfen. Da gehe die Palette von den soziokulturellen Zentren wie der „Rabryka“ in Görlitz bis zu den Tierparks. „Wenn da jeder mal schaut, ob er auf 10.000 Euro verzichten kann, dann wäre der Kulturbetrieb in Cunewalde gerettet.“

Audio:

Knut-Michael Kunoth im Gespräch mit Bürgermeister Thomas Martolock
Kultursekretärin Annemarie Franke
Armin Proft, Geschäftsführer der "Herkuleskeule"
Stephan Köhler, Band "The Cashbags"