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Sternstunde für Görlitz

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Es galt seit mehr als 70 Jahren als verschollen. Nun ist es wieder zurück in Görlitz - ein Gemälde des Dresdener Malers Bernhard Kretzschmar (1889 - 1972).   Heute wurde es gezeigt – das Stillleben mit Äpfeln, Kürbis und Flasche aus dem Jahr 1917. Es bereichert die Ausstellung der Moderne im Görlitzer Kaisertrutz.

 Kai Wenzel geht sparsam um mit Superlativen. In diesem Fall aber spricht der Görlitzer Kunsthistoriker von einer Sternstunde für die Sammlungen. „Dieses Gemälde war in den 1930er Jahren gekauft worden und nur kurz ausgestellt, weil mit Beginn des Zweiten Weltkrieges das Museum sofort geschlossen wurde.“ Vor Kriegsende wurde das Bild - wie auch Tausende anderer Kunstwerke - ausgelagert. Seitdem galt es als verschollen.

Diskretion als oberstes Gebot

Voriges Jahr tauchte das Stillleben des Dresdener Malers Kretzschmar - eines der bedeutenden Vertreter der sächsischen Kunstgeschichte - in einem Auktionskatalog auf.  Wenzel konnte das Kunstwerk sicher identifizieren. Das Auktionshaus nahm daraufhin das Gemälde aus der  Versteigerung. Die Görlitzer Sammlungen setzten sich mit dem Besitzer in Verbindung. Mit Hilfe des Freistaates wurde das Bild angekauft.  Das sei dann alles recht schnell gegangen.

 Zu Verkäufer und Kaufpreis hält sich Wenzel aber bedeckt. „Details können wir nicht verraten. Denn wir vermissen noch Tausende Werke. Und das eine oder andere wird sicherlich auf dem Kunstmarkt auftauchen.“ Diskretion ist oberste Maxime bei Ankäufen.

Die Görlitzer Sammlungen konnten in den vergangenen Jahren einige, Ende des Zweiten Weltkrieges verschollene Kunstwerke aufspüren und wieder in ihren Besitz bringen.

Heikles Thema

Sachsen will Görlitz bei der Suche nach verschollenen Kunstwerken weiter unterstützen, also bei der sogenannten Provenienzforschung. Da gehe Görlitz mit gutem Beispiel voran, findet die Direktorin der Landesstelle für Museumswesen, Katja Margarethe Mieth. „Wir wollen zeigen, dass es möglich ist, grenzüberschreitend mit den polnischen Sammlungen zu Geschichte und Verbleib der Kunstwerke zu erforschen. Dabei soll nicht der Eindruck entstehen, dass nicht ständig nur davon gesprochen wird, Dinge zurückzuholen, sondern sie in eine gemeinsam Zukunft zu führen.“

Viele der in den letzten Kriegsmonaten ausgelagerten Kunstwerke befinden sich heute in Sammlungen und Depots in Polen. Mit der Forschung könne den polnischen Kollegen geholfen werden, die Bestände einzuordnen. Gleichwohl sieht der Direktor der Görlitzer Sammlungen, Jasper von Richthofen, in der Eigentumsforschung ein heikles Thema. „Aber es wäre gerade für Görlitz und Zgorzelec eine tolle Gelegenheit, wenn man jene Kunstwerke, die einst im Kaiser-Friedrich-Museum - dem heutigen Dom Kultury in Zgorzelec - ausgestellt waren, an dem historischen Ort wieder zeigt, auf polnischem Gebiet.“

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Reporter Knut-Michael Kunoth