„Tatravagonka hat nicht die Absicht, den Waggonbau in Niesky zu schließen“
Tatravagonka hält am Standort Niesky fest. Der slowakische Eigentümer habe nicht die Absicht, das Werk zu schließen, erklärte der der Vorsitzende des Unternehmerverbandes Niederschlesien, Roland Jäckel, heute nach einem Gespräch mit dem Geschäftsführer Matus Babic. Die Auftragslage sei grundsätzlich gut, aber die Abarbeitung der Aufträge nicht zufriedenstellend. Babic sehe Probleme insbesondere bei der Ausnutzung der Arbeitszeit. Es fehlten motivierte und zuverlässige Mitarbeiter am Standort, zitierte der Verbandsvorsitzende aus dem Gespräch. „Dabei spielt laut Babik die Gewerkschaft und der Betriebsrat keine unwesentliche Rolle.“
Der Unternehmerverband rief zu einer vertrauensvollen und kooperativen Zusammenarbeit von Geschäftsführung und Belegschaft auf und schlug die Einsetzung eines neutralen Vermittlers vor. Roland Jäkel: „Aus unserer Sicht hat der Waggonbau in Niesky eine reale Perspektive. Jedoch sind die Positionen von Geschäftsführung und Betriebsrat gegenwärtig extrem verhärtet. Nur wenn beide Seiten einen Schritt aufeinander zugehen und der Wille zur Lösung der eigentlichen Probleme da ist, dann kann sich die Situation des Unternehmens zeitnah entspannen.“
Die Äußerungen des Nieskyer Waggonbauchefs sind in der Belegschaft und bei der IG Metall auf Empörung gestoßen. Als einen Schlag ins Gesicht der Beschäftigten bezeichnete Gewerkschaftssekretärin Eileen Müller die Aussagen. Die Standortleitung schiebe ihre Verantwortung weg. Betriebsratschef Peter Jurke kommentierte die Äußerungen als lächerlich und peinlich. „Er soll dafür sorgen, dass wir arbeiten können. Wir stehen an allen Linien, weil wir kein Material haben.“
Seit November halten Beschäftigte jeden Dienstag Mahnwache am Werktor. Betriebsrat und IG Metall fordern ein Gespräch mit dem Eigentümer. Wie uns Betriebsratsvorsitzender Peter Jurke sagte, sei nach seinem Kenntnisstand die gesamte Gruppe bis Ende 2024 ausgelastet. „Trotzdem kann niemand sagen, welche Projekte nach Niesky kommen. Das stört uns.“ Von den über 300 Beschäftigten sind noch 230 im Betrieb. Ein Teil der Belegschaft ist in Kurzarbeit.
Der Nieskyer Waggonbau ist der letzte Güterwagenhersteller in Deutschland.