Tauziehen um Wasserversorgung in Weißwasser - „Übernahme von 40 Beschäftigten ist weltfremd“
Das Tauziehen um die künftige Trinkwasserversorgung in Weißwasser geht in die entscheidende Runde. In zwei Wochen wird der Stadtrat in einer Sondersitzung entscheiden, ob die Stadt das Geschäft in eigene Hände nimmt, also dem Wasserzweckverband „Mittlere Neiße – Schöps“ beitritt. Der Verband warb heute noch einmal dafür. Es sei für die Region am sinnvollsten, diese Aufgaben künftig selbst zu erbringen, so das Fazit.
Sollte es zur sogenannten Rekommunalisierung kommen, sollen nach bisherigem Stand 25 Mitarbeiter aus dem Wasser- und Abwasserbereich der Veolia-Stadtwerke übernommen werden, und zwar zu ihren bisherigen Konditionen. „Es gilt der Tarifvertrag Versorgungsbetriebe (TV-V). Die Mitarbeiter werden finanziell nicht schlechter gestellt“, heißt es in einer heute vorgelegten Pressemitteilung des Verbandes.
Nach Darstellung der Stadtwerke Weißwasser (SWW) müssten - bei einer Ausgliederung - mindestens 40 Veolia-Beschäftigte von der noch zu gründenden Servicegesellschaft des Wasserzweckverbandes übernommen werden. Es würden also 15 Mitarbeiter übrig bleiben, für die es dann nach Ansicht von SWW-Chefin Katrin Bartsch in den Stadtwerken keine Verwendung mehr geben würde. Der Verband bot Betriebsrat und Geschäftsführung Gespräche an. Die Zahl 40 sei allerdings weltfremd, so ein Verbandsmitglied.
Die Stadtwerke Weißwasser wollen mit den Ergebnissen einer von ihnen in Auftrag gegebenen Wirtschaftlichkeitsuntersuchung kontern. Daraus geht hervor, dass ein Beitritt der Stadt zum Zweckverband „Mittlere Neiße-Schöps“ keinen Sinn machen würde.Die Stadt würde in den nächsten fünf Jahren nicht mehr sechs Millionen, sondern nur noch zwei Millionen Euro bekommen. Zudem wird eingeschätzt, dass die vom Zweckverband in Aussicht gestelltePreisgarantie nicht zutreffend sei. Dafür bestehe keine ausreichende Grundlage. Durch eine Auskopplung der Wasser- und Abwassersparte würden auch Synergieeffekte von mehr als eine Million Euro verlorengehen.
Der Wasserzweckverband bekräftigte seine Preisgarantie von fünf Jahren für die Kunden. „Wir gehen auch weiter davon aus. Allerdings müssen wir künftig auf neue Entwicklungen von außen reagieren“, sagte uns Verbandsmitglied und Bürgermeister von Schleife, Jörg Funda.
Die Alternative zur Übernahme der Wasser- und Abwassersparte durch die Stadt wäre eine europaweite Neuausschreibung - „mit ungewissem Ausgang“. Überprüfungsverfahren könnten Jahre dauern. Das Preisniveau sei unsicher, warnen externe Berater, die von der Stadt beauftragt worden waren. Würde sich Weißwasser dem Zweckverband anschließen, bliebe die Versorgung komplett in kommunaler Hand. Die sogenannte „Inhouse Lösung“ sei ohne aufwendige Verfahren möglich.
Der Wasserzweckverband „Mittlere Neiße-Schöps“ will eine Dienstleistungsgesellschaft gründen. Sie soll die Wasser- und Abwasserversorgung in die eigenen Hände nehmen. Dem Verband gehören Boxberg, Spreetal, Weißkeißel, Schleife, Gablenz, Groß Düben, Trebendorf und Krauschwitz an.