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„Ich war verzweifelt“ - Suche nach dem Motiv für einen Brandstifter in Bautzen

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Was treibt einen Vater dazu, sein Haus anzuzünden? Zugleich wollte er sich das Leben nehmen. Passiert ist das im Mai vergangenen Jahres in Kleinwelka. Heute stand der 40-Jährige in Bautzen vor Gericht.

Es sei an jenem Montagmorgen alles wie im Film abgelaufen. Er habe den Jungen in die Kita gebracht, sei dann zurück zum Haus. Dort verkippte er einen Benzinkanister an vier Stellen und legte Feuer, brachte einen Spanngurt  an einem Deckenbalken an… Im Krankenhaus in Leipzig kam er wieder zu sich, mit lebensgefährlichen Verletzungen.

„Es war eine Verzweiflungstat“, gestand der Angeklagte. Er wollte immer eine richtige Familie haben, eine „Familienresidenz“, wie er sagte. Er kaufte das Haus an der Dresdner Straße in Kleinwelka, zog mit seiner Partnerin und ihren zwei Mädchen ein. Die Beziehung ging in die Brüche. Er verliebte sich neu, wurde Vater. Ein Junge kam zur Welt.  Diese  Beziehung mit der neuen Frau – für ihn eine „On-Off-Beziehung“.  Sie lasse wenig Gefühl zu, aber wenn, dann extrem viel.

Die Probleme seien ihm über den Kopf gewachsen.  Das Haus und die Hypothek. 130.000 Euro Kreditverbindlichkeiten. Die zerbrochenen Beziehungen. Der unerfüllte Wunsch nach einem Familiennest.  Der Frust, kein richtiger Papa zu sein… Wohl in dieser Gefühls- und Gemengelage beging er die Tat. Aber auf die Frage, ob es einen konkreten Auslöser  gab, fand er keine Antwort.  „Ich habe dafür eigentlich keine richtige Erklärung.“

 Auch das Gericht konnte kein klares Motiv erkennen. Es sprach von einem Akt der Verzweiflung. „Wir haben tief in den Seelengrund geblickt, aber doch nicht viel gesehen“, so Richter Dirk Hertle. Der Angeklagte sei Täter und Opfer zugleich, Opfer seines psychischen Defizits. Brandstiftung sei nicht gleich Brandstiftung, aber bleibe eine Straftat. Das Urteil: Ein Jahr auf Bewährung. Es ist rechtskräftig.