• Gemeinderäte und der Bürgermeister von Trebendorf, Waldemar Locke (2.v.r.) schlagen die Friedensglocke von Mühlrose

  • Gemeinderat Uwe Radtke ist eigentlich nicht zum Lachen zumute. Er klagt über den nächtlichen Tagebaulärm. "Vor allem die Kinder leiden darunter."

  • Bürgermeister Waldemar Locke (CDU): Enttäuscht von Ministerpräsident Kretschmer

Trebendorf schlägt die (Alarm)-Glocke

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Trebendorf fühlt sich unfair behandelt. Die Gemeinde am Rande des Tagebaus Nochten sieht sich abgehängt vom Strukturwandel. Gemeinderäte und Bürgermeister Waldemar Locke (CDU) schlugen deshalb gestern Abend demonstrativ die Friedensglocke von Mühlrose. Es soll ein Zeichen sein an Ministerpräsident Michael Kretschmer.

"Unsere Region blutet aus!"

Ein Infrastrukturprojekt in Kleintrebendorf und der Feuerwehranbau seien der Gemeinde gestrichen worden, klagt Locke. "Unsere Feuerwehr platzt aus allen Nähten. Zehn aktive Kameraden wechseln demnächst von Mühlrose nach Trebendorf. Auch der Nachwuchs - 25 Kinder und Jugendliche - braucht ein neues Domizil." Aber der Antrag für die Erweiterung sei wiederholt abgelehnt worden. Im Herbst will die Gemeinde erneut Anlauf nehmen. Ringsum würden Projekte mit "Kohle-Geldern" gefördert, zum Beispiel neue Straßenbahnen in Görlitz oder die Sanierung des Kulturhauses in Bischofswerda. "Und unsere Region blutet aus!"

Nächtlicher Tagebaulärm ist unerträglich

Ein großes Problem sei der Krach durch den Tagebau, so Gemeinderat Uwe Radtke. In der vergangenen Woche war es besonders schlimm. Drei Nächte hintereinander schepperte und klirrte es. An Schlaf war nicht zu denken. "Wir leiden darunter, und besonders die Kinder. Der Lärm geht an die Substanz. Irgendwann bekommt man eine Klatsche." Radtke wohnt rund 150 Meter von der Tagebaukante entfernt. Die Menschen in der Region klagen außerdem über Staubbelästigung. "Vor vier Wochen kam so eine schwarze Wand. Es war plötzlich alles grau in grau." Radtke ist enttäuscht von der Landesregierung. "Der Ministerpräsident hatte uns im November 2018 versprochen, dass uns geholfen wird und er an unserer Seite steht. Bis heute ist nichts passiert."

"Keiner interessiert sich für unsere Probleme"

 Trebendorf fordert Unterstützung aus Dresden. "Die sollen sich endlich hierher scheren. Aber es kommt keiner, es interessiert die nicht", so Gemeinderat Frank Gärtig. Sollte der Ruf der Trebendorfer ungehört bleiben, will Bürgermeister Waldemar Locke alle zwei Wochen  gemeinsam mit Einwohnern die Friedensglocke schlagen.

Audio:

Bürgermeister Waldemar Locke

Gemeinderat Uwe Radtke

Gemeinderat Frank Gaertig