Über 2.800 Ehen geschlossen - Zittauer Standesbeamtin geht in Pension
In Zittau geht eine Lotsin von Bord. Petra Wießner verlässt das Standesamt. Nach 45 Jahren steuert sie in den Ruhestand. Sie ist eine der dienstältesten Standesbeamtinnen in der Lausitz.
Petra Wießner hat Buch geführt. 2.850 Ehen hat sie geschlossen. An das erste Paar kann sie sich noch gut erinnern. Wießner war damals 20 Jahre alt. „Es war ein junges Paar in meinem Alter. Die Beiden haben mich danach auch immer noch gegrüßt in der Stadt.“ Manch einen Bräutigam, auch manch eine Braut hat sie ein zweites oder auch drittes Mal wiedergesehen und in den Ehehafen gelotst. „Das ist das Leben. Das Leben schreibt solche Geschichten.“
„Eine Garantieurkunde gibt es nicht“
Bis dass der Tod Euch scheide… Petra Wiesner schmunzelt. So sehr sie es auch den Paaren wünscht: „Eine Garantieurkunde gibt es vom Standesamt nicht.“ Auch nicht für Ehen, die an einem Tag mit einprägsamer Zahlenfolge geschlossen wurden. Das seien zwar schöne Daten, „wo sich vielleicht der eine oder andere Herr den Hochzeitstag besser merken kann“.
„Eine Fehlnummer“ - das nächste Paar, bitte!
Zu DDR-Zeiten, da schloss Petra Wießner Ehen häufig im Akkord. „Da haben sich die Brautpaare auf der Treppe getroffen.“ Und auch das gab‘s: Braut und Bräutigam erschienen nicht am Traualtar. „Da war's eine Fehlnummer. Die Registernummer war ja schon vergeben. Da war's halt so.“ Und im letzten Moment einen Rückzieher gemacht, also Nein gesagt – gab es das in ihrer Zeit als Standesbeamtin, dass die Braut oder der Bräutigam plötzlich kalte Füße bekamen? „Nein, das habe ich nicht erlebt.“
Vom Traualtar zum Scheidungsrichter
Einmal zu DDR-Zeiten, da stand eine Frau in der Tür, die einen Tag zuvor von Petra Wießner getraut wurde. Sie wollte, dass die Ehe annulliert wird. Ihr Mann hatte am Hochzeitstag den Hausrat zerschlagen. Wießner konnte den Wunsch nicht erfüllen. Sie schickte die Frau zum Scheidungsrichter.
Heute in einer Woche bringt die Zittauerin das letzte Paar unter die Haube. Traurig ist sie schon. Aber alles hat einmal ein Ende. Ja, sie freut sich auf den Ruhestand, den sie mit ihrem Mann genießen will. Sie hatten sich vor 39 Jahren das Jawort gegeben.