Über 30.000 Zuschauer beim Osterreiten
Gottesdienste, Friedensfest, Bräuche: Auf unterschiedliche Art und Weise haben die Sachsen am Wochenende das Osterfest gefeiert. Zehntausende säumten Ostersonntag bei Wind und Kälte Landstraßen in Ostsachsen bei den traditionellen Prozessionen der Osterreiter. Rund 200 Menschen nahmen am Ostermontag an der Osterfriedenswanderung in der Sächsischen Schweiz teil - für Frieden und gegen Abrüstung. Nicht nur Christen besuchten viele Gottesdienste, in der Osternacht ließen sich rund 50 Erwachsene taufen - auch in der Dresdner Frauenkirche. Der evangelische Landesbischof Carsten Rentzing kritisierte in seiner Osterpredigt die zunehmende Kälte in der Gesellschaft. Sie streite „mehr um die Erleichterung von Sterbehilfe und von Abtreibungen des ungeborenen Lebens als um den Schutz der Schwächsten“. Die Kälte zeige sich zudem in der Verhärtung gegenüber Hilfsbedürftigen und darin, dass die Gesellschaft ungerührt mit ansehe, wie deutsche Waffen in Kriegen auf der Welt zerstören, mahnte Rentzing laut Manuskript. Dabei sollte nicht vergessen werden, „dass man der Verantwortung für das Leben nicht entfliehen kann“.In der Lausitz im Dreieck Hoyerswerda-Bautzen-Kamenz zogen mehr als 1.500 meist katholische Sorben in ihr jeweiliges Nachbardorf und verkündeten singend vom Pferderücken aus die Osterbotschaft. Die mit 14 Jahren Jüngsten trugen als Neulinge ein Myrtenkränzchen. Die Zuschauerzahl bei den neun Prozessionen sowie dem Ostersaatreiten in Ostritz bei Görlitz lag nach Angaben der Polizei bei insgesamt rund 30.700. Zwischenfälle mit scheuenden Pferden gingen glimpflich ab: In Schweinerden (Landkreis Bautzen) blieben drei abgeworfene Reiter unverletzt, in Crostwitz prallte ein Tier gegen parkende Autos. Zurückgehend auf einen ursprünglichen Brauch aus wohl vorchristlicher Zeit ziehen Jugendliche und Männer alljährlich in Frack und Zylinder von der Heimatkirche aus um den Friedhof und die Felder ins nächste Dorf - hoch zu Ross singend und betend bei Glockengeläut, mit Kreuz, Kirchenfahnen und der Statue des Auferstandenen. Außerhalb der Orte beten sie auf den aufwendig geschmückten Pferden den Rosenkranz in weißen Handschuhen. Die 78 Saatreiter in Ostritz baten zudem um gutes Wachstum der Saat auf den Feldern - der Älteste mit 91 Jahren. Für Frieden, Abrüstung und soziale Sicherheit demonstrierten am Ostermontag rund 300 Menschen in der Sächsischen Schweiz. Nach etwa zweitstündiger Friedenswanderung feierten sie im Kurpark Bad Schandau ein Friedensfest - bei Frühlingswetter und Sonnenschein. „Es sind mehr als im letzten Jahr“, sagte der Linke-Bundestagsabgeordnete André Hahn. Die Menschen treibe die Sorge um den Krieg in Syrien oder die Spannungen zwischen dem Westen und Russland um, berichtete er. Angesichts der Lage müssten sich „aber eigentlich noch mehr auf den Weg machen“.