Urteil in Görlitz unter Tränen - drei Jahre für Schleuser
Er hatte 27 Migranten unter lebensgefährlichen und unmenschlichen Bedingungen nach Deutschland eingeschleust. Dafür ist heute ein Ukrainer vom Landgericht Görlitz zu drei Jahren Gefängnis verurteilt worden. Für den in der Anklage vorgeworfenen versuchten Mord sah die Kammer keine Anhaltspunkte.
Der 23-Jährige war im Oktober vergangenen Jahres mit einem angemieteten Transporter in einen Wald an der polnisch-weißrussischen Grenze gelotst worden. Er sollte angeblich Motorräder nach Deutschland bringen. An Bord befanden sich jedoch Syrer, Iraker und Türken, die über Belarus gekommen waren. Sie saßen und standen dicht gedrängt auf der viereinhalb Meter langen Ladefläche des fensterlosen Kleintransporters, bekamen kaum Luft und hatten nichts zu essen. Die Türen waren verriegelt. Als der Fahrer während der siebenstündigen Fahrt Klopfgeräusche hörte, stoppte er kurz, warf zwei Wasserflaschen in den Laderaum und setzte die Tour fort. Spätestens dort hätte ihm klar werden müssen, dass Migranten an Bord waren, so der Vorsitzende Richter Theo Dahm. Er habe die Menschen einer erheblichen Gefahr ausgesetzt. Bei einer Vollbremsung wären sie gegen die vordere Ladewand gedrückt worden.
In Görlitz wurde der Transporter gestoppt. Als die Polizisten die Hecktür öffneten, riefen die Migranten „Air, Air, Air!“. Einer jungen Frau war schwindelig geworden. Ein Kind klagte über akute Atemnot. „Sie waren erschöpft, ängstlich und verschwitzt“, schilderte ein Beamter. Die Polizisten gaben ihnen ihre Einsatzverpflegung.
Der Angeklagte behauptete, nicht gewusst zu haben, dass er Menschen schleust. Zu Prozessbeginn gab er sich ahnungslos. „Mich hat es nicht interessiert, was das für Menschen sind. Ich stand unter Schock, hatte Angst vor meinen Auftraggebern.“ Für den Transport der angeblichen Motorräder sollte er 400 Zloty bekommen, umgerechnet 86 Euro.
Unter Tränen verabschiedete sich der gelernte Mechaniker von Freundin und Schwester. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.