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Verschollenes Gemälde nach über 70 Jahren wieder in Görlitz

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Ein vor mehr als 70 Jahren verschollenes Kunstwerk aus Görlitz ist wieder da.  Gestern Abend wurde das Gemälde „Südlicher Hafen am Tag“ des sächsischen Hofmalers Johann Alexander Thiele den  Städtischen Sammlungen übergeben.  „Es handelt sich um ein bedeutendes Werk, es repräsentiert die beste Qualität der barocken Malerei“, so Kunsthistoriker Kai Wenzel. Und Museumsleiter Jasper von Richthofen schwärmt: „Das Gemälde ist eine Perle“.

Das Bild wurde in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges ausgelagert, so wie Tausende anderer Kunstwerke der Görlitzer Sammlungen.  Es kam in ein Depot auf Schloss Kuhna östlich der Neiße. Nach dem Krieg verlor sich seine Spur.

„Der Kunsthandel hat das Bild vermutlich in Berlin über die Schalck-Goldkowski-Kunst-GmbH erworben“, so der Freiburger Kunsthistoriker und Kunstversicherer Thomas Wessel. Er kam dem Gemälde bei Recherchen zu verschollenen Kunstwerken im Raum Dresden auf die Spur und konnte den Eigentümer ausfindig machen. „Ich konnte ihn überzeugen, dass der Thiele nach Görlitz gehört“, so Wessel.  Zum Kaufpreis und zur Identität des Sammlers herrscht Stillschweigen.  Das Gemälde   wird in Kürze im Barockhaus Neißstraße des Kulturhistorischen Museums Görlitz ausgestellt.

„Die Werke des Hofmalers Thiele in unserem Bestand werden damit um ein Glanzstück  ergänzt“, freut sich Wenzel. Museumschef von Richthofen ist davon überzeugt, dass noch mehr verschollene Werke auftauchen werden: „So manches Stück ist auf dem Kunstmarkt oder hängt bei privaten Besitzern über dem Sofa“, vermutet er.  Zu Thieles Bild „Südlicher Hafen am Tag“ gibt es noch ein Pendant, eine Nachtansicht.

Sie gilt weiter als verschollen, wie noch rund 70 Prozent des Görlitzer Kunstsammlungsbestandes, der kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges auf Schlösser der Umgebung gebracht wurden. Dazu gehört auch das Görlitzer Ratssilber. Eine Spur führt vermutlich nach Warschau.

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Reporter Knut-Michael Kunoth