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Wahlanalyse in Sachsen - In Dresden entwickelt sich Lagerwahlkampf

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Dresden steht beim Rennen um den Oberbür­ger­meister-Posten ein Lager­wahl­kampf bevor. Die CDU wollte am Montag­nach­mittag mit FDP-Politiker Dirk Hilbert sprechen, um ein Bündnis für den zweiten Wahlgang zu schmieden. CDU-General­se­kretär Michael Kretschmer gab am Vormittag schon eine Art Wahlemp­feh­lung ab: „Wenn es gut für die Stadt ist, sollte man jetzt tatsäch­lich Dirk Hilbert wählen.“ Hilbert war als unabhän­giger Kandidat angetreten. Auf ihm ruhen nun die Hoffnungen des bürger­li­chen Lagers.Im ersten Wahlgang war Hilbert am Sonntag mit 31,7 Prozent nur der rot-rot-grünen Kandi­datin Eva-Maria Stange (SPD) unter­legen. Die sächsi­sche Staats­mi­nis­terin für Wissen­schaft und Kunst bekam genau 36 Prozent. Ihr Kabinetts­kol­lege Markus Ulbig (CDU), Innen­mi­nister im Freistaat, schei­terte mit nur 15,4 Prozent klar. Die CDU verliert damit bundes­weit die letzte Stadt mit mehr als 500 000 Einwoh­nern.Viel Raum nahm in den Wahlana­lysen am Montag auch das Abschneiden der Pegida-Vertre­terin Tatjana Fester­ling in Dresden ein. Die Hambur­gerin war als freie Bewer­berin angetreten, gehört aber zum Führungs­zirkel von Pegida. Sie erreichte 9,6 Prozent der Stimmen, was gut 21 000 Stimmen ausmacht - weit mehr, als das islam­kri­ti­sche Bündnis zu den Montags­kund­ge­bungen noch auf die Straße bringt. „Wenn gestern 21 000 Menschen eine Rechts­ra­di­kale aus Hamburg wählen, dann halte ich das schon für eine bedenk­liche Entwick­lung“, sagte Linke-Chef Rico Gebhardt. Fester­ling hatte im Wahlkampf vor allem Rot-Rot-Grün attackiert.Kretschmer empfand Fester­lings Ergebnis zwar als „zu hoch“. Dass sich die Organi­sa­toren von Pegida aber einer demokra­ti­schen Wahl stellten, sei ein Fortschritt. Die 10 Prozent für Fester­ling bedeu­teten auch, dass 90 Prozent der Wähler anders entschieden hätten.Fester­ling schnitt besser ab als der AfD-Kandidat Stefan Vogel (4,8 Prozent). Pegida habe als Protest­be­we­gung der Straße „andere Möglich­keiten, politisch unkor­rekt zu sein“, sagte der AfD-Parla­men­ta­rier Jörg Urban. Man versuche, mit Pegida im Gespräch zu bleiben und zu sehen, wo man sich „gegen­seitig befruchten“ könne.Die Linken appel­lierten an Ulbig, wegen des schlechten Abschnei­dens auch sein Minis­teramt aufzu­geben. Regie­rungs­chef Stanislaw Tillich (CDU) tue sich keinen Gefallen, eine „Lame Duck“ („lahme Ente“) im Kabinett zu behalten. Dies sei für die Innere Sicher­heit in Sachsen nicht gut.Bei den Landrats­wahlen vertei­digte die Union dagegen ihre Dominanz und brachte erstmals alle Kandi­daten schon im ersten Wahlgang durch. Linke, SPD und Grüne hatten in vier Landkreisen gemein­same Bewerber aufge­stellt. Die rot-rot-grünen Gedan­ken­spiele seien am Sonntag flächen­de­ckend abgewählt worden, sagte Kretschmer. Grüne und SPD wollten sich am Montag nicht festlegen, ob solche Bündnisse ein Signal für das Land sein können. Die Linken betonen es stets. (DPA="