Wenn der Boden wankt: Schloss Senftenberg im Wandel
Von der Burg zur Festung
Wo heute Besucher durch schattige Wallanlagen schlendern, stand bereits im 13. Jahrhundert eine Burg. Im 16. Jahrhundert ließ die sächsische Kurfürstenmacht auf ihren Mauern ein Renaissanceschloss errichten, das zugleich die Grenze gegen Brandenburg sichern sollte. Im 17. Jahrhundert wurde die Anlage zur Festung ausgebaut, um Dresden vor Übergriffen zu schützen. Bei Ausgrabungen im Nordflügel fanden sich Mauerreste des ursprünglichen Wohnturms, im Keller des Ostflügels sind noch Backsteine der alten Burg erhalten.
Eine Festung im Moor – Bauform und Untergrund
Die besondere Bauform macht das Schloss bis heute einzigartig: Es ist die einzige vollständig erhaltene Festungsanlage Deutschlands, die von einem mächtigen Erdwall umschlossen wird. Geheimgänge, eine wiederaufgebaute Poterne und ein raffiniert verstecktes Festungsportal zeugen von der Wehrtechnik jener Zeit. Doch die Lage hatte ihren Preis: Das Schloss steht am Rand der Elsteraue, einem einst sumpfigen Niederungsgebiet. Kanäle der Schwarzen Elster umflossen die Anlage und speisten den Schlossteich – ein System, das der Verteidigung diente und den feuchten Baugrund prägte. Wie bei vielen Bauwerken auf solchem Untergrund üblich, ruhte das Fundament auf eingerammten Holzpfählen, die im dauerhaft nassen Boden vor Fäulnis geschützt waren.
Als der Bergbau das Wasser nahm
Mit dem Aufschluss der Lausitzer Tagebaue im 20. Jahrhundert veränderte sich der Untergrund grundlegend. Um die Kohle trocken fördern zu können, senkten die Bergbaubetriebe den Grundwasserspiegel großflächig ab. Die Entwässerungsgräben um Senftenberg verloren dadurch ihre Funktion und wurden zugeschüttet. Für hölzerne Pfahlgründungen wie jene des Schlosses bedeutete das eine schleichende Gefahr: Standen die Pfähle nicht mehr dauerhaft im Grundwasser, begannen sie zu trocknen und zu verrotten. Die Folge waren Absenkungen, Risse im Mauerwerk und ein zunehmender Schiefstand einzelner Bauteile.
Rettung für ein Denkmal – die Sanierung
Die Standsicherheit zu erhalten, wurde zur Voraussetzung für den Fortbestand des Schlosses. In mehreren Sanierungsabschnitten wurden Fundamente stabilisiert, geschädigtes Mauerwerk gesichert und die historische Substanz denkmalgerecht wiederhergestellt. Auch der Wiederaufbau der Eingangspoterne in der Nordwestbastion gehört zu den sichtbaren Ergebnissen. Bis heute wirkt die Bergbaugeschichte nach: Seit Einstellung der Braunkohleförderung steigt das Grundwasser in Senftenberg wieder an. Horizontalfilterbrunnen im Stadtgebiet halten den Wasserspiegel seither auf sicherem Niveau, um Gebäude – auch das Schloss – vor neuen Schäden zu schützen.
Das Schloss heute – ein Museum für die Region
Wer die Anlage besucht, durchschreitet einen beleuchteten Tunnel unter dem Erdwall hindurch ins Innere. Dort erwartet die Dauerausstellung „Kosmos einer Kleinstadt“, die anhand persönlicher Geschichten durch die Jahre 1631, 1909 und 1978 führt. Im Untergeschoss liegt der ungewöhnlichste Teil des Museums: ein kleines Schaubergwerk, das jene Bergbautradition erlebbar macht, die dem Schloss einst so sehr zusetzte. Ergänzt wird das Angebot durch die Kunstsammlung Lausitz und wechselnde Sonderausstellungen. Mit dem angrenzenden Schlosspark ist das Schloss heute weit mehr als ein Relikt vergangener Jahrhunderte: ein lebendiger Ort, an dem sich Landes-, Stadt- und Bergbaugeschichte begegnen.
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Gefördert durch die Sächsische Landesmedienanstalt. Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.


