"Work-Life-Balance“ und bitte keine harte Arbeit

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Viele Ausbildungsplätze in der Lausitz bleiben auch in diesem Jahr unbesetzt. Es sind allein 500 in den Landkreisen Görlitz und Bautzen. Für die Unternehmen wird es immer schwieriger, die Lücken zu schließen.

Vier junge Leute sollten im September eine Ausbildung bei Metallbau Schubert in Markersdorf bei Görlitz aufnehmen. Zwei sind geblieben. Einer habe gleich nach dem ersten Tag das Handtuch geworfen, so Geschäftsführerin Kerstin Thun. Er habe sich nicht wohlgefühlt. "Wir hatten auch schon Praktikanten, die hatten keine Woche durchgehalten. Es war ihnen zu anstrengend." 

"Work-Life-Balance“ ist die neue Lebensformel. Oder anders gesagt: Bloß nicht tot machen. Nicht vor um 10 auf Arbeit und spätestens um 15 Uhr den Laptop zugeklappt. Kohle raus!  Unternehmer müssen Kompromisse eingehen – bis zur Schmerzgrenze und darüber hinaus. Sie finden keine Azubis oder die Azubis springen wieder ab, weil die Arbeit zu schwer ist.

Bei Rico Koslowski hatten sich fünf Bewerber für eine Lehrstelle vorgestellt. Der Schwimmmeister im Cunewalder Erlebnisbad sagte drei Kandidaten mündlich zu, sie sagten ab, weil sie offenbar eine besser bezahlte Lehrstelle gefunden hatten. Zwei Kandidaten fielen von vornherein durch sein Raster.

Ein weiteres Ärgernis für Ausbildungsbetriebe: Mitunter fehlt es an grundlegenden Kenntnissen. Stefan Krug von der Handwerkskammer Dresden erinnert sich an seine Tätigkeit in einem Bildungszentrum. "Da passierte es regelmäßig, dass in der ersten Woche der Elektronikerausbildung  Theorie nachgepaukt werden musste."

 

 

 

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Reporter Knut-Michael Kunoth