Zechen- und Badehaus Brieske: Relikt mit Zukunft
Wer auf dem Radweg durch Brieske unterwegs ist, passiert einen eindrucksvollen Zeugen der Lausitzer Bergbaugeschichte: das Zechen- und Badehaus mit seiner historischen Waschkaue. Den backsteinernen Bau ließ die Ilse-Bergbau-Aktiengesellschaft 1909/10 als „Badehaus Marga“ errichten, dort, wo einst die Brikettfabriken Marga I und II standen. Von der einstigen Industriegröße ist wenig geblieben – umso mehr Gewicht bekommt, was die Zeit überdauert hat.
Wo Bergleute sich wuschen
Im Inneren verbirgt sich eine Rarität: eine für den Bergbau typische Waschkaue mit Kettenbad, wie sie kaum noch irgendwo in der Region erhalten ist. Hier legten Bergleute nach der Schicht ihre Arbeitskleidung ab, bevor sie sich reinigten – ein Ritual, das Jahrzehnte zum Alltag Tausender Beschäftigter gehörte. Daneben beherbergte das Haus Zechensaal, Magazin, Sanitätsstelle sowie Büro- und Aufenthaltsräume der Werksverwaltung. 1979 wurden die Verwaltungsräume zu Mannschaftsumkleiden umfunktioniert, bis das Gebäude Anfang der 1990er Jahre seine Nutzung verlor und nur noch als Firmenarchiv diente.
Neues Leben für die Industriekathedrale
2022 übernahm der Landkreis Oberspreewald-Lausitz das Gebäude von der LMBV. Mit der benachbarten Kraftzentrale zählt es zu den letzten Zeugnissen der Brikettfabriken – beide Bauten stehen unter Denkmalschutz und gelten als symbolträchtige Relikte der Industriegeschichte. Als einer von 16 „kulturellen Ankerpunkten“ Brandenburgs wird das Haus bis 2026 zum Museums- und Veranstaltungsort: geplant sind ein Museum zur Bergbau- und Sozialgeschichte, eine Kinderakademie und ein kulturelles Netzwerk. Kulturministerin Manja Schüle förderte das Vorhaben mit 210.000 Euro – vom Industriezentrum zum künftigen Kultur-Hotspot.
Haltepunkt am Radweg
Für Radtouristinnen und -touristen im Lausitzer Seenland ist die Waschkaue längst mehr als ein Wegpunkt. Die Franz-Mehring-Straße führt direkt an das denkmalgeschützte Ensemble zwischen Grubenstraße und Gartenstadt Marga heran, wo Industriegeschichte unmittelbar erlebbar wird. Auch wenn die Sanierung 2026 beginnt und das Haus derzeit nur zu besonderen Anlässen wie dem Tag der Industriekultur zugänglich ist, zieht die massige Backsteinfassade schon jetzt Blicke auf sich – ein Stück Lausitz, das zeigt, wie aus verlassenen Mauern neue Orte der Erinnerung werden.
