Zehn Tote und 80 Verletzte bei Zugunglück in Bayern
Bei dem schweren Zugunglück in Oberbayern sind mindestens zehn Menschen ums Leben gekommen. Rund 80 wurden verletzt. Unter den Toten seien wahrscheinlich auch die beiden Lokführer, sagte ein Polizeisprecher. Es ist das schlimmste Zugunglück in Deutschland seit fünf Jahren. Zehn Menschen wurden bei dem Zusammenstoß zweier Nahverkehrszüge in der Nähe von Bad Aibling im Landkreis Rosenheim schwer verletzt, acht Reisende mittelschwer und 63 leicht. Mindestens zwei Menschen wurde zunächst noch vermisst. In beiden Zügen waren etwa 150 Fahrgäste.Züge auf eingleisiger Strecke kollidiertGegen 6:50 Uhr waren zwei Züge des privaten "Meridian", der von der zur Transdev gehörenden Bayerische Oberlandbahn betrieben wird, auf der eingleisigen Strecke zwischen Holzkirchen und Rosenheim frontal zusammengestoßen. Dabei verkeilten sich die Triebwagen der beiden Züge. Ein Zug entgleiste, mehrere Waggons stürzten um. Es dürfte sich um das schlimmste Zugunglück in Bayern seit 1975 handeln. Wie Verkehrsminister Alexander Dobrindt sagte, fuhren die Züge weitgehend ungebremst ineinander.Ursache unklarDie Ursache für das Unglück auf der auch Mangfalltalbahn genannten Strecke war zunächst unklar. Ein Großaufgebot an Rettungskräften mit zahlreichen Hubschraubern und Krankenwagen kümmerte sich um die Verletzten. Kripo ermittelt zur UrsacheSpeziell geschulte Beamte der Kriminalpolizei übernahmen unter Leitung der Staatsanwaltschaft Traunstein und mit Unterstützung von Kollegen der Bundespolizei die Ermittlungen zum Hergang des Unglücksfalles, teilte die Polizei mit. Zur genauen Ursache können derzeit noch keine Aussagen getroffen werden, die Ermittlungen stehen hier noch am Anfang.Wie Verkehrsminister Dobrindt sagte, seien zwei von drei Blackboxen im Zug entdeckt worden. Die Auswertung dieser Geräte soll Aufschluss zur Unglücksursache bringen.Viele Pendler an BordIn den Zügen sitzen um diese Uhrzeit üblicherweise zahlreiche Pendler, von denen viele nach München fahren. Zum Glück seien am Unglückstag keine Schüler in den Zügen gewesen, sagte ein Polizeisprecher - in Bayern sind derzeit auch Faschingsferien. Hubschrauber brachten die Schwerverletzten in Krankenhäuser, während die zahlreichen Leichtverletzten zunächst in einer Sammelstelle versorgt wurden. Dabei half auch die Wasserwacht, die die Verletzten von der direkt an dem Flüsschen Mangfall gelegenen Unfallstelle an das gegenüberliegende Ufer brachte. Ein Antenne Bayern-Reporter berichtete, dass die Feuerwehr auch spezielle Transportfahrzeuge auf den Gleisen einsetze, um Einsatzmaterial zum Unglücksort zu bringen.Zum Teil wurden die Opfer auch in Bergungssäcken von den Hubschraubern hochgezogen und an das andere Ufer geflogen. Die Unfallstelle ist sehr schwer zugänglich und liegt an einer Hangkante, die zur Mangfall abfällt. Um den Opfern des schweren Zugunglücks zu helfen, hat das Bayerische Rote Kreuz alle verfügbaren haupt- und ehrenamtlichen Kräfte in der Region zusammengezogen. "Alles, was Räder hat, ist vor Ort", sagte der Geschäftsführer des BRK-Kreisverbandes Rosenheim."Der Unfall ist ein Riesenschock für uns", sagte der Geschäftsführer der Bayerischen Oberlandbahn (BOB), Bernd Rosenbusch. "Wir tun alles, um den Reisenden, Angehörigen und Mitarbeitern zu helfen." Die BOB betreibt die Züge auf der Unfallstrecke. Die Züge waren in einer Kurve zwischen den Bahnhöfen Kolbermoor und Bad Aibling-Kurpark in der Nähe des Klärwerks von Bad Aibling zusammengestoßen. Der Bahnbetreiber richtete mindestens für den kompletten Dienstag einen Ersatzverkehr mit Bussen ein. Prinzipiell dürfen die Züge an der Stelle bis 120 Stundenkilometer fahren, wie die Deutsche Bahn erläuterte. Hotline für AngehörigeDer Zugbetreiber "Meridian" hat eine Notfallnummer für Angehörige unter der 0395-430 843 90 eingerichtet. Wie die Polizei mitteilte, wurde eine Verletzten-Sammelstelle, Auskunfts- und Vermisstenstelle bei der Freiwilligen Feuerwehr Kolbermoor eingerichtet. Für allgemeine Fragen wurde ein polizeiliches Bürger-/Hinweistelefon unter 08031-200 31 80 eingerichtet.Österreich unterstützt mit RettungskräftenDas österreichische Bundesland Tirol stellt Bayern zur Bewältigung des schweren Zugunglücks Rettungskräfte und Notarzthubschrauber zur Verfügung. Mitarbeiter des Roten Kreuz seien alarmiert und auf dem Weg zur Unglücksstelle, berichtete die Landesregierung. Die Leitstelle Rosenheim habe außerdem bereits vier Notarzthubschrauber angefordert. Auch das Krankenhaus in Kufstein nahe der deutschen Grenze stehe für die Übernahme und Versorgung von Verletzten bereit.Faschingsveranstaltungen abgesagtIn der Region wurden Faschingsveranstaltungen abgesagt. Wie Charivari berichtete wurden die Faschingstreiben in Bad Aibling, Kolbermooor und in Rosenheim abgesagt.