Nach fast 21 Jahren im Amt: Landrat Michael Harig verabschiedet
Ein kommunalpolitisches Urgestein der Lausitz geht von der Bühne. Der Bautzener Landrat Michael Harig hat am 31. Juli seinen letzten Arbeitstag. Am Freitag wurde er im Deutsch-Sorbischen Volkstheater offiziell verabschiedet.
Harig war seit 2001 Landrat im Kreis Bautzen und zuvor Bürgermeister von Sohland/Spree. Nach knapp 23 Jahren im Amt blickt der scheidende Landrat auf viele Höhen und Tiefen zurück.
„Es gab viele große Momente. Wir haben viel investiert – wir haben die Kreisgebietsreform erfolgreich gestaltet. Auch die großen Jubiläen bleiben in guter Erinnerung, wie zum Beispiel 10 Jahre Landkreis Bautzen, wo auch nochmal Menschen, von denen man es überhaupt nicht erwartet hätte, aus sich herausgekommen sind. Das sind für mich Sternstunden gewesen.“ – erklärte Harig im Interview mit unserem Sender.
Allerdings wurden in den zurückliegenden Jahren auch Fehler gemacht. „Vielleicht war es falsch, auch vor meiner Tätigkeit als Landrat, der Stilllegung der Bahnstrecken quasi zuzustimmen.“, räumte er ein. Hier hätte man sich mit dem heutigen Wissen anders positionieren müssen. Auch die angestrebte Zusammenlegung der Verkehrsverbünde ZVON und VVO sei zu überdenken gewesen. „Ich hatte nicht auf dem Zettel, dass sich die Görlitzer Kollegen auch aus guten Gründen dagegen entschieden hatten. Da bin ich sicher den Erwartungen auch ein Stück weit nicht gerecht geworden.“
Harigs Nachfolger ist sein bisheriger Vize-Landrat Udo Witschas. Dem CDU-Politiker und Parteifreund gibt er einen Rat mit auf den Weg: „Es ist wichtig die Menschen, die sich einbringen und engagieren wollen, auch ernst nimmt. Das man ihnen Gelegenheit gibt ihre Gedanken zu entwickeln und auch hilft sie umzusetzen.“
Für Landrat Michael Harig ist am 31. Juli Schichtende. Doch wie geht es für ihn dann weiter? Zu erst einmal wolle der Chef des Landratsamtes sich zuerst um all die Dinge kümmern, die in einem arbeitsreichen Leben zu kurz gekommen sind. „Das heißt also Familie, Kinder und Enkel – auch private Hobbys, wie die Landwirtschaft.“ Aber auch nach seinem Ausscheiden will Harig nicht ganz von der öffentlichen Bühne verschwinden. „Ich will mich auch noch in Themen einbringen, die für die Region wichtig sind – ganz besonders rund um den Strukturwandel.“, sichert der 61-Jährige zu.
Michael Harig wurde nach der politischen Wende 1990 zum Bürgermeister der Gemeinde Sohland/Spree gewählt. Im Juni 2001 wurde er zum Nachfolger vom damaligen Bautzener Landrat Horst Gallert gewählt. Am 08. Juni 2008 gewann er auch die erste Landratswahl nach der Kreisreform. 2015 wurde er mit 72,4 Prozent der abgegeben Stimmen im Amt bestätigt.