„Sie war naiv“ - Bautzener Amtsrichter verurteilt Polin zu Bewährung
Erst liefen Tränen, dann fiel sie ihrem Freund um den Hals. Das Amtsgericht Bautzen hat heute eine Polin zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt – wegen versuchter Hehlerei. Sie war im März auf der A 4 am Steuer eines im hessischen Rodgau gestohlenen Kleintransporters gestellt worden.
Sie wollte einer Disco-Bekanntschaft einen Gefallen tun. So stieg sie in den Bus nach Frankfurt/Main. Dort wurde sie von einem Christian abgeholt. Er gab sich als Autohändler aus, zeigte auf den Transporter und drückte ihr den Schlüssel in die Hand. Dann fuhren sie zurück in Richtung Polen – der Bekannte aus der Disco voraus. Sie habe nichts von dem Diebstahl gewusst, beteuerte die Angeklagte.
Tränen kullerten, als die Staatsanwältin eine Gefängnisstrafe forderte. Der Richter, eigentlich bekannt für seine scharfen Urteile, ließ dagegen Milde walten. Sie sei naiv gewesen, habe einen Entschuldigungsbrief geschrieben und sei in Deutschland nicht vorbestraft. Außerdem habe sie schon drei Monate in Untersuchungshaft gesessen. „Dieser Fall unterscheidet sich von anderen. Es kommt auf die Umstände an.“
Nach dem Prozess fiel die 34-Jährige ihrem neuen Freund freudestrahlend um den Hals. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig.