Zeuge aus der Zeit August des Starken
Die kursächsische Postmeilenssäule auf dem Markt Senftenberg
Rund 290 Jahre Geschichte stecken in einem steinernen Monument auf dem Senftenberger Marktplatz. Die kursächsische Postmeilenssäule verbindet die Stadt mit einer Epoche, als Senftenberg noch Teil eines der mächtigsten deutschen Fürstentümer war und erzählt von Postkutschen, Wegstunden und einem langen Weg zurück.
Wer über den Senftenberger Marktplatz spaziert, dem fällt der Blick unweigerlich auf ein schlankes Steinmonument: die kursächsische Postmeilenssäule, rund 4,50 Meter hoch, bekrönt vom Doppelwappen Kursachsens und des polnisch-litauischen Königreichs unter vergoldeter Krone. Das Denkmal erzählt von einer Zeit, in der Senftenberg noch zum sächsischen Herrschaftsgebiet gehörte und von einem Landesherrn, der Ordnung und Repräsentation ernst nahm. Kursachsen, eines der reichsten Länder im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, wurde von 1694 bis 1733 von Kurfürst Friedrich August I. regiert, dem als August dem Starken bekannten Fürsten. Er ordnete an, dass jede Stadt eine Distanzsäule aufzustellen habe. Nachdem das Kurfürstentum 1713 vermessen und kartografisch erfasst worden war, bekam Senftenberg im Jahre 1731 seine Postmeilenssäule. Sie wurde auf Kosten des Rates der Stadt auf dem Marktplatz errichtet und trug Distanzstundenangaben in alle vier Himmelsrichtungen. Eine Wegstunde entsprach dabei 4,531 Kilometern.
Aushängeschild des sächsischen Reisewesens
Die Postmeilenssäulen galten als Aushängeschilder des gut organisierten sächsischen Reisewesens. Die auf dem Senftenberger Exemplar verzeichneten Orte, darunter Städte in Sachsen, Schlesien, aber auch das heutige brandenburgische Bad Belzig oder Jüterbog, spiegeln das weitverzweigte Postkutschennetz der Epoche wider. All diese Orte gehörten einst zum sächsischen Herrschaftsbereich und waren von Senftenberg aus per Kutsche zu erreichen.
1847, unter preußischer Herrschaft, musste die Säule wegen angeblicher Baufälligkeit abgetragen werden. Nur das Wappenstück wurde gerettet und befindet sich heute im Kreismuseum Senftenberg. Bereits seit 1815 hatte die Abtretung großer Teile des Königreichs Sachsen an Preußen dafür gesorgt, dass viele der Entfernungsangaben auf der Säule politisch überholt waren.
Rückkehr nach 153 Jahren
Mehr als anderthalb Jahrhunderte lang fehlte das stadtbildprägende Monument. Dann engagierten sich Heimatpfleger und die Stadtverwaltung gemeinsam für seine Rückkehr. Im Oktober 2000 wurde die Nachbildung der kursächsischen Postmeilenssäule auf dem Markt eingeweiht, originalgetreu am historischen Standort. Heute ist der Wegweiser aus alten Zeiten ein beliebtes Fotomotiv für Besucher der Stadt.
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Gefördert durch die Sächsische Landesmedienanstalt. Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.


